Österreich: Notgroschen für Jugendjobs

5. September 2002, 12:01
7 Postings

AMS-Reserve für den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Wien - Die Regierung macht angesichts der im August um mehr als 20 Prozent gestiegenen Jugendarbeitslosigkeit die letzten Reserven des Arbeitsmarktservice (AMS) in Höhe von 116 Millionen Euro locker. Finanziert werden sollen aus diesen Mitteln unter anderem die Aufstockung von Ausbildungslehrgängen für Jugendliche, die keine Lehrstelle finden. Die Zahl der Kursplätze werde von 2000 auf 3000 erhöht, kündigte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein am Mittwoch an. Am Vorabend versprach Kanzler Wolfgang Schüssel, nach massiver Kritik von Arbeitnehmervertretern, ein Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit in Österreich.

Zusätzlich zum Ausbau des so genannten Auffangnetzes, das erstmals auch für Schulabgänger aus dem Vorjahr geöffnet wird, stellte Bartenstein Maßnahmen für Jugendliche bis 24 in Aussicht. Älteren Jugendlichen mit abgebrochener Ausbildung soll eine Nachqualifizierung bei den Bildungseinrichtungen Wifi und bfi mit einer durchschnittlichen Kursdauer von 18 Monaten angeboten werden.

"Eingliederungsbeihilfen"

Für Jugendliche mit schwer wiegenden Vermittlungsproblemen werde es finanzielle "Eingliederungsbeihilfen" in Form von Lohnstützungen für den Arbeitgeber geben, so Bartenstein. Insgesamt werde das Programm 5000 Jugendlichen angeboten, die Kosten bezifferte der Minister im ersten Jahr mit 75 Mio. Euro und danach mit 37 Mio. Euro.

AMS-Sprecherin Beate Sprenger begrüßte das Lockermachen der Reserven durch den Minister. "Das ist sehr erfreulich. Jetzt können wir uns bewegen."

Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel, der seit Monaten auf den Einsatz der AMS-Reserven im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit drängt, sagte zum STANDARD: "Es ist absolut unverständlich, dass man erst jetzt auf diese Reserven zurückgreift. Schon seit Mai 2000 steigen Monat für Monat die Arbeitslosenzahlen. Für Lehrstellensuchende kommt das Programm zu spät und ist zu wenig. Mindestens 1000 Lehrplätze fehlen weiterhin." Nach der jüngsten Statistik fehlen aktuell rund 5200 Lehrstellen in Österreich. (miba, APA, DER STANDARD, Printausgabe 5.9.2002)

Share if you care.