RWE stellt "Internet aus der Steckdose" ein

4. September 2002, 19:26
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Technik nicht massenmarkt-tauglich - Ascom sieht allerdings keine Probleme

Der deutsche RWE-Konzern wird sich Ende September aus seinen Powerline-Aktivitäten zurückziehen.

Technische Probleme

Das Internet via Steckdose sei unter den gegebenen technologischen Voraussetzungen nicht massenmarkt-tauglich, sagte der Geschäftsführer von RWE Powerline, Carsten Knauer, am Mittwoch in Essen. Neben technischen Problemen mit dem Modem der Schweizer Firma Ascom nannte Knauer mangelnde Kapazitäten in zusammenhängenden Frequenzbereichen als Gründe für den Rückzug aus den Powerline-Aktivitäten. Die Höhe der Anlaufkosten bezifferte er nicht. Für die 34 Mitarbeiter des Unternehmens werde eine Weiterbeschäftigung in anderen Konzernbereichen derzeit geprüft, fügte Knauer hinzu.

11. September

Nach den Anschlägen am 11. September vergangenen Jahres seien zunehmend Frequenzbänder für Sicherheitsdienste wie den Bundesnachrichtendienst und Seefunk reserviert worden, hieß es. Daher könne in der vorgesehenen Form die Powerline-Technologie nicht mehr etabliert werden.

Troubles

Bereits im Mai hatte RWE Powerline technische Probleme mit dem Modem als Grund genannt, warum das Internet via Steckdose noch nicht zum Produkt für den Massenmarkt geworden war. Nur 2000 Kunden hätten gewonnen werden können, hieß es damals. Man sei aber in Verhandlungen mit potenziellen Kooperationspartnern. Ascom hatte indes technische Probleme bestritten und auf 60 Pilotinstallationen verwiesen, bei denen die Technologie eingesetzt werde und stabil sei.

Ascom sieht keine Probleme

Ein Ascom-Sprecher sagte, RWE sei einer von 60 Kunden. Ein Ausstieg dieses Kunden falle nicht ins Gewicht. Technische Mängel gebe es keine, so der Sprecher weiter. Die Kunden würden das System jeweils zuvor genau prüfen. Ascom wolle jedoch wie bereits angekündigt für das Powerline-Geschäft Mitte 2003 eine Standortbestimmung vornehmen.

Einstige Ziele

RWE Powerline war 2001 als erster der deutschen Stromkonzerne mit dem Internet via Steckdose in den Städten Essen und Mülheim an den Start gegangen. RWE definierte damals als Ziel, bis Ende 2004 zehn Prozent seiner drei Millionen Kunden für Powerline gewinnen zu wollen. Allein bis Ende 2002 sollten es 120.000 Kunden sein. (Reuters)

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