Guatemala: Drei hohe Ex-Militärs verhaftet

4. September 2002, 07:10
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Im Prozess um die Ermordung einer Aktivistin

Guatemala-Stadt - Im Prozess um die Ermordung einer Menschenrechtsaktivistin in Guatemala hat das Gericht am Dienstag Haftbefehl gegen die drei angeklagten hochrangigen Ex-Militärs angeordnet. Dem General a.D. Edgar Godoy und den Obersten a.D. Juan Oliva und Juan Valencia wird vorgeworfen, die Ermordung der Anthropologin Mirna Mack im Jahr 1990 angeordnet zu haben. Die drei Angeklagten haben sich für unschuldig erklärt.

Mack hatte sich während des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in dem mittelamerikanischen Land für vertriebene Bauern eingesetzt. Der Prozess gegen ihre mutmaßlichen Mörder hat große Erwartungen in Guatemala geweckt. Die für die Überwachung der Friedensabkommen zuständige Mission der Vereinten Nationen in Guatemala (Minugua) bezeichnete ihn als "Prüfstein für die guatemaltekische Justiz". General a.D. Godoy war früher Chef der mächtigen Präsidentengarde.

Der Krieg zwischen Militär und linksgerichteter Guerilla in Guatemala ging erst Ende 1996 mit einem Friedensvertrag zu Ende. Er hatte mehr als 200.000 Menschenleben gefordert. Eine Wahrheitskommission machte 1999 das Militär für den weitaus größten Teil der Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Guatemala war bis 1986 eine Militärdiktatur, und auch in den folgenden Jahren blieben die Uniformierten die eigentliche Macht im Staate. Der am Dienstag begonnene Prozess ist erst der zweite seit Ende der Bürgerkrieges, bei dem ehemalige Militärs die Anklagebank drücken. Im vorigen Jahr waren drei Offiziere wegen der Ermordung des Bischofs Juan Gerardi im April 1998 zu je 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. (APA/dpa)

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