Heiner Zechmann, Landesschulratspräsident in Kärnten und Vater

3. September 2002, 19:40
5 Postings

Ein Gerechter mit ehernen Traditionen

"Das Erbe der Väter. Erwirb es, um es zu besitzen." Vielleicht hat der Klagenfurter Rohrbombenbastler diesen Wahlspruch seiner Familie allzu drastisch verstanden. Urgroßvater und Großvater haben sich an dieser Gedankenwelt orientiert. Ihr Enkel hat offenbar nicht vorgehabt zu verletzen oder gar zu töten, aber er hat sich gefährlichen Experimenten gewidmet. Vielleicht auch, um den Vater in die Pflicht nehmen.

Der Vater, drahtig und hager, ein harter Mann. Ein Gerechter, sagt man. Seit 2001 Kärntens Landesschulratspräsident. Heiner Zechmann ist vor allem eines: streng zu sich selbst und zu anderen. Maßlos in der Selbstkasteiung, um sich das Maximum an Leistung abzuringen. Auch von den eigenen Kindern - und seien sie noch so klein und noch so verletzlich. Gut ist nicht genug.

Der Beste zu sein, das ist die Lebensmaxime: "Natürliche Auslese", als Grundlage der von Großvater Heinrich, dem Reichsbahnpräsidenten, Villacher NS-Gauamtsleiter und späteren FPÖ-Mitbegründer bis an die Enkel weitergegebenen Weltanschauung.

Heiner Zechmanns erste Frau, Eva, ist daran zerbrochen; Flucht und Scheidung. Der ältere der beiden gemeinsamen Söhne, der Bombenbastler, war da gerade vier. Die Übermacht des Vaters spürte er fortan offenbar dennoch, der Bub entwickelte sich zu einem so genannten Problemkind.

Er hätte schon was aus ihm gemacht, sagt der Vater heute: mit harter Hand, Zucht und Ordnung. So erlebten ihn auch seine Schüler und Kollegen. Berüchtigt sind seine Witze, die angeblich auch frauenfeindlich, rassistisch und antisemitisch waren.

Dennoch: Der promovierte Chemieprofessor hat es zu Anerkennung und Ehren gebracht. Fachlich brillant, wurde Heiner Zechmann weit über die Grenzen seines Wirkungsbereiches am Villacher Peraugymnasium hinaus als hervorragender Pädagoge geschätzt. 1991 erhält er das Silberne Ehrenzeichen der Republik. Ruft die österreichische und die internationale Chemieolympiade ins Leben. Der dritte Sohn, aus zweiter Ehe, ist das Wunschbild des Vaters. Ein Winner.

In Ehren gehalten hat der Spross freiheitlichen Uradels stets die Familientradition. Und so verwies der neue Landesschulratspräsident auch oft stolz auf sein "historisches Naheverhältnis" zu den Freiheitlichen. Dazu zählt auch sein Vater Heinz, der Romancier, der in einer Biografie über Heinrich, den ehemaligen Nationalsozialisten, urteilte, er wäre ein "echter, aber missbrauchter und irregeleiteter Idealist" gewesen.

Vielleicht mag auch all das den missratenen Sohn bewegt haben. Vielleicht aber wollte er mit seiner Bombenbastelei ganz einfach nur sagen: "Du bist mein Vater. In guten wie in schlechten Tagen." (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 4.9.2002)

  • Artikelbild
Share if you care.