Von der Wahrheit des Irrsinns

4. September 2002, 11:43
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Ein Missverständnis. Aber eines, das tröstet. Denn in Wirklichkeit will Rainer Nikowitz weder lustig noch besonders fantasievoll wirken. Im Gegenteil: Der profil-Redakteur ist nur grundehrlich und schreibt Dinge - also eigentlich Dialoge - nieder, wie sie tatsächlich sind. Weil: So, wie der kleine Maxi sich die Welt vorstellt, ist sie auch. Nicht nur, sondern vor allem in der Politik. Und Rainer Nikowitz hat - im Gegensatz zum überwiegenden Rest der politschreibenden Zunft - den Mut, Fakten Fakten bleiben zu lassen. Weil aber die Politik dem Journalisten alles, mit Ausnahme der Wahrheit, verzeiht, nennt Nikowitz das Resultat seiner Recherchen eben "Satire".

Denn anders könnten diese genauen und präziseen Dokumente, Sittenbilder und Analysen des Schaffens, Denkens, Wirkens, Seins und Wesens heimischer Volksvertreter jeglicher Couleur kaum einer breiteren Öffentlichkeit vorgelegt werden. Weil aber die Halbwertszeit eines Wochenmagazines dem historischen Gewicht (jaja, nebenbei auch dem Bedürfnis, sich rückblickend zu zerkugeln) oft geradezu seherischer Kolumnen (etwa: Reinhart Gaugg und Anton Leikam gehen einen heben - vor Gauggs Promilleslalom) nicht gerecht wird, hat Nikowitz seine Dialogskolumnen in Buchform veröffentlich.

Montagabend wurde das bei Deuticke - in der Perlenreihe - erschienene Brevier "Hallo Westi - schwarz-blaue Satiren" in Richard Jursts übervollem "Antiquariat Buch und Wein" (www.buchundwein.at) präsentiert: Florian Scheuba brillierte in jeder erdenklichen Politikerrolle vor der zahlreich erschienenen Kollegenschaft des Buchschreibers. Man lachte gemeinsam - bis manchen die Tränen kamen. Vielleicht auch, weil alle wussten, dass all diese Satiren schon morgen wieder in der Schublade mit der Aufschrift "Realität" liegen würden. (rott/DER STANDARD, Printausgabe, 4.9.2002)

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    foto: rottenberg

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