Krumau: Hilfsaktionen für das Schiele Art Centrum

3. September 2002, 22:54
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Trotz Hochwasserschäden ist das Museum wieder offen

Krumau - Das Egon Schiele Art Centrum im südböhmischen Krumau (Ceský Krumlov) liegt direkt an der Moldau. Die pittoreske Lage wurde dem Museum und Künstlerzentrum zum Verhängnis, als der Fluss am 12. August über die Ufer trat. "Zuerst war nur ein wenig Wasser auf dem Boden, und wir wischten es mit Stofffetzen weg", erzählt Direktorin Hana Jirmusová. "Dann haben wir begonnen, Bücher und Drucke im Shop auf die Kästen zu legen, aber das Wasser hörte nicht auf zu steigen."

Jirmusová und die Mitarbeiter trugen schließlich die Skulpturen des tschechischen Bildhauers Jindrich Zeithamml vom Erdgeschoß in den ersten Stock des ehemaligen barocken Brauhauses, das nun eine der bekanntesten Kultureinrichtungen Tschechiens beherbergt, entfernten dort die fragilen Schiele-Zeichnungen von den Wänden und verstauten sie in wasserdichten Kisten. Während die Stadt evakuiert wurde, verbrachte Jirmusová die Nacht im Obergeschoß, um die Werke vor Einbrechern zu schützen. Mit einer Kerze im Fenster ließ sie die Rettungstrupps in den Hubschraubern wissen, dass sie und der Hausmeister geblieben waren. Im Erdgeschoß stieg das Wasser auf 1,80 Meter Höhe.

Am nächsten Morgen waren der Museumsshop, das Wiener Café und die meisten Künstlerateliers verwüstet. Von den Kunstwerken wurden nur einige der Skulpturen Zeithandls und Schiele-Drucke beschädigt. Die Zeichnungen wurden aus Sicherheitsgründen weggebracht.

Inzwischen sind die gröbsten Spuren der Flut beseitigt, die Wechselausstellungen von Rudolf Dzurko und Max Ernst in den oberen Stockwerken wieder offen. Im einst überfluteten Erdgeschoß wurde am Wochenende eine Ausstellung über das "Hochwasser mit den Augen der Krumauer Fotografen" eröffnet, deren Bilder zugunsten der Opferhilfe verkauft werden. Die eigentlichen Hochwasserfotos fangen - ebenso wie die meisten aus den Medien bekannten Bildern - die Dramatik des Ereignisses kaum ein, fast idyllisch zeigt sich die barocke Stadt in den Fluten. Erst die Bilder vom Tag danach, von zerstörten Geschäften und Brücken, machen die Gewalt des Wassers sichtbar.

Hilfe für Krumau kommt aus ganz Europa, vor allem aus Österreich. Freiwillige helfen beim Putzen, und österreichische Firmen spendeten Reinigungsmaschinen und -mittel. Jirmusová schickt das Material nun weiter an die Gedenkstätte des KZ Theresienstadt, die ebenfalls schwer beschädigt wurde. Bis Ende September hofft Jirmusová wieder auf Normalbetrieb im Museum und im Café. Die Medienkünstlerin Bernadette Huber aus Steyr betreibt eine Website für Spenden, und am 12. 9. veranstalten Eva Glawischnig (Die Grünen) und Mathias Rüegg (Vienna Art Orchestra) ein Benefizkonzert im Wiener Porgy & Bess, das DER STANDARD unterstützt. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 4.9.2002)

Benefizkonzert

Infos unter der Telefonnummer (01) 503 70 09

Links

bernadettehuber.at

schieleartcentrum.org

ckrumlov.cz

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