Hunzinger war ein "Kontakt-Händler"

3. September 2002, 19:34
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Diskussionveranstaltung: Heimische Lobbyisten um Schadensbegrenzung bemüht - "In Österreich nicht möglich"

Wien - Die "Affäre Hunzinger", die den deutschen Verteidigungsminister Rudolf Scharping politisch zu Fall brachte, sorgt auch bei den heimischen Lobbyisten für Ungemach. Schadensbegrenzung ist angesagt, wenngleich es sich beim angepatzten deutschen Branchenkollegen ohnehin um "ein einzelnes schwarzes Schaf" handle, betonte Markus Schindler von Publico, in einer gemeinsam mit dem STANDARD veranstalteten Diskussionsveranstaltung.

Spielregeln verletzt

"Ein Fall Hunzinger wäre in Österreich gar nicht möglich", versicherte Dietmar Trummer von Hochegger.com. Denn Moritz Hunzinger sei kein Lobbyist, sondern ein "Kontakt-Händler" gewesen, der alle Spielregeln verletzt habe. Und dafür sei die börsennotierte Hunzinger AG vom Markt prompt bestraft worden: Kunden wie Microsoft gingen ebenso verloren wie Investoren, betonte Schindler.

Da Hunzinger mehr als zehn Jahre erfolgreich agierte, scheinen Zweifel an der Effizienz der Selbstreinigungskräfte der Lobbyisten berechtigt. Die Installation eines Schiedsgerichts hält PR-Verbandschef Christian Kollmann dennoch für übertrieben, einem "Code of Conduct" würde er sich jedoch nicht verschließen. "Jedes Mitglied unterschreibt die Grundprinzipien. Werden diese penibel eingehalten, braucht es überhaupt kein neues Regelwerk."

"Wie an einem großen Wirtshaustisch"

Dass Lobbying ausgerechnet in dem Land, wo die Lobbyisten (als Sozialpartner; Anm.) direkt im Parlament sitzen, mit "Verhaberung" gleichgesetzt wird, liegt für Wirtschaftskammer-Generalsekretär Christian Domany auch daran, dass es manchmal an Transparenz fehle. "Oder doch wie an einem großen Wirtshaustisch zugeht", merkte Caspar Einem, der EU-Sprecher der SPÖ, an. (red, DER STANDARD, Printausgabe 4.9.2002)

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    Brachte den deutschen Verteidigungsminister zu Fall und sorgt auch in Österreich für Ungemach: Moritz Hunzinger.

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