"Sie leidet halt unter seinen Querschüssen"

3. September 2002, 17:07
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FPÖ-Basis zwischen Vaterfigur und Chefin

Äußerst uneinheitlich sind die Antworten der FPÖ-Basis auf die Fragen "Sonderparteitag - Ja oder Nein?" und "Wen hätten’s denn gern, Riess-Passer oder Haider?". Das zeigte ein Rundruf des STANDARD bei FPÖ-Bürgermeistern in ganz Österreich.

"Ein Sonderparteitag ist absolut für die Katz’", drückt der Kitzbühler FP-Bürgermeister Horst Wendling die Stimmung im Westen des Landes aus. Parteichefin Susanne Riess-Passer bescheinigt er "fantastische Arbeit", wünscht sich aber einen Rückzug vom Rückzug Jörg Haiders: "Er ist der Vater der Partei."

"Jeder hat das seinige zu tun", meint Ernst Blum aus dem 3500-Einwohner-Ort Fußach in Vorarlberg und sieht "bei uns keine Tendenz zu einem Sonderparteitag".

Mit dem Sonderparteitag haben auch die Kärntner keine rechte Freude, aber sie würden ihren Landeshauptmann gern mit dem Rest von Österreich teilen. "Haider gehört an die Spitze, und im Innersten strebt er doch noch immer etwas in Wien an", sagt der Ortsobere von Mölbing, Franz Rainer - aber es solle "nicht über einen Sonderparteitag sein, sondern bei der nächsten Wahl". Riess-Passer mache "gute Arbeit. Sie leidet halt unter Haiders Querschüssen. Ich könnte mir vorstellen, sie ist es bald überdrüssig."

Auch Rudolf Hartlieb, Ortschef im Kärntner Lurnfeld, sähe es lieber, wenn es ohne Sonderparteitag ginge, sagt aber: "In Kärnten ist sicher der überwiegende Teil dafür, dass Haider wieder kommt."

"Gleichwertig" sind Riess-Passer und Haider für den Ortschef von St. Georgen am Fillmannsbach in Oberösterreich, Franz Kastinger, der sich wünscht, dass "beide an einem Strang ziehen".

Mehrnbachs Bürgermeister Peter Bahn meint: "Streiten hat noch keiner Partei etwas gebracht." Zur Not ginge es auch ohne Haider, "die anderen haben sich gut etabliert". (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.9.2002)

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