Springer gegen Kirch: Einstieg der WAZ vorerst verhindert

3. September 2002, 17:03
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Kirch will einstweilige Verfügung aber vor Gericht anfechten

Der Axel Springer Verlag hat den Einstieg der WAZ vorerst vor Gericht verhindert. Der Verlag habe eine einstweilige Verfügung gegen Kirch vor dem Münchner Landgericht durchgesetzt, sagte Verlagssprecherin Edda Fels am Dienstag in Berlin. Damit darf Leo Kirch seinen 40-prozentigen Anteil am Axel Springer Verlag nicht ohne Zustimmung der Springer-Aktionärsmehrheit an die WAZ oder einen anderen ungewollten Aktionär verkaufen. Springer hatte sich in den vergangenen Tagen deutlich gegen einen Einstieg der WAZ ausgesprochen. Leo Kirch will die einstweilige Verfügung aber vor Gericht anfechten.

Zeit gewonnen

Durch die einstweilige Verfügung hat der Springer-Verlag nach Einschätzung in Branchenkreisen Zeit gewonnen, mit dem Schweizer Medienkonzern Ringier über die Übernahme des Kirch-Pakets zu verhandeln und damit der WAZ zuvorzukommen. In den vergangenen Wochen hatte Springer nach Informationen aus Kirch-Kreisen bereits mit Ringier über den Kauf des Pakets verhandelt. Dies berichteten auch das "Handelsblatt" und der "Tagesspiegel" unter Berufung auf Springer-Kreise am Dienstag. Leo Kirch hat parallel mit der WAZ und Ringier über sein Paket gesprochen. "Am Ende entscheidet wahrscheinlich der Preis", sagte ein Kirch-Vertrauter.

Der Schweizer Verlag, der unter anderem die Boulevardzeitungen "Blick" und "Blick am Sonntag" heraus gibt, sei bereit, mehr für das Paket zu zahlen als die WAZ. Der Essener Verlag soll angeblich 960 Mill. Euro geboten haben. Die WAZ hatte Berichte über die Höhe eines möglichen Kaufpreises mehrfach als reine Spekulation bezeichnet. Leo Kirch wird nach Angaben seines Vertrauten vor Gericht gegen die einstweilige Verfügung angehen und Schadenersatz von Springer fordern.

Von Übereinkunft noch weit entfernt

Springer und Ringier sind nach Informationen der beiden Zeitungen von einer Übereinkunft über das Kirch-Paket noch weit entfernt. Mehrheitsaktionärin Friede Springer wolle Forderungen des Konzernchefs Michael Ringier nach einem weit reichenden Einfluss in Europas größtem Verlagshaus so wie nach einem Posten im Aufsichtsrat nicht nachgeben. Sollten sich beide Seiten einig werden, wolle Ringier den Springer-Anteil von Kirch zusammen mit mehreren ausländischen Großbanken erwerben.

Da es sich bei Kirchs Springer-Paket um vinkulierte Namensaktien handelt, muss Friede Springer dem Verkauf zustimmen. Durch die einstweilige Verfügung ist nach Angaben von Springer aber auch einem Aktienverkauf über die Veräußerung der Kirch-Beteiligungsfirmen, die die Anteile halten, "ein Riegel vorgeschoben worden". Die WAZ-Gruppe hatte vom Vorstand des Springer-Verlages verlangt, er müsse alle Kaufangebote im Interesse der freien Aktionäre prüfen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Sitz der WAZ-Mediengruppe in Essen.

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