Arafat wurde zu "unser Osama"

3. September 2002, 17:19
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Palästina als Djihad-Grund

Jerusalem/Wien - Am 11. September 2001 war die 2. Intifada ein knappes Jahr alt. Eine Meldung unmittelbar nach den Anschlägen über ein palästinensisches Bekennerschreiben erwies sich als falsch. Der israelisch-palästinensische Konflikt gehörte aber - als letztplatzierter nach der US-Präsenz in Saudi-Arabien und dem Zustand des Irak - zu den Gründen, die Osama Bin Laden auf später aufgetauchten Videos als ausschlaggebend für seinen Djihad gegen die USA anführte.

Angesichts der Bilder von 9/11 verstand Yassir Arafat sofort, dass er nicht den Fehler von 1991 wiederholen durfte, als sich die Palästinenser auf die Seite Saddam Husseins schlugen. Bilder von über die Anschläge jubelnden Palästinensern wurden von der Behörde unterdrückt - und dass es sie gab, von der israelischen Seite instrumentalisiert. Versuche von Premier Ariel Sharon, die Gleichung "Arafat ist unser Osama" aufzustellen, wurden zuerst von der Bush-Regierung ignoriert; man pendelte sich in Israel daraufhin zunächst auf die Gleichsetzung zwischen Taliban und Arafat - beide Förderer von Terroristen - ein.

Während des Aufbaus der Antiterrorkoalition, in der arabische/islamische Staaten unverzichtbar waren, kamen aus Washington Signale, dass der US-Druck auf Israel erhöht werden würde, weiters wurde betont, dass Israel an keinen Antiterroroperationen teilnehmen werde. Die Situation änderte sich nach dem "gewonnenen Krieg" in Afghanistan, die Distanzierung der USA von Arafat - zu der auch die Waffenschiff-Affäre beitrug, in der Mitglieder der Palästinenserbehörde involviert waren - gipfelte im Juni in Bushs Forderung nach einer Ablöse Arafats. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.9.2002)

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    Unter Druck: Palästinenserführer Yasser Arafat

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