Bushs Antiterrorfeldzug und die Konsequenzen

3. September 2002, 20:55
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Washington steht unter dem Druck der Regionalkrisen - Neue Partner und Feinde seit dem 11. September

Washington/Wien - Die "Bush-Doktrin" ist aus den Trümmern des World Trade Centers hervorgegangen: "Entweder ihr seid mit uns, oder ihr seid mit den Terroristen", rief der amerikanische Präsident am 20. September 2001 unter langem Applaus vor dem US-Kongress aus. Doch die Wirklichkeit der internationalen Politik sah anders aus. Zwischen Schwarz und Weiß, so erkannte die US-Regierung schnell, liegt das weite Grau von stiller Kooperation, Tolerierung, Opposition.

Innerhalb eines Jahres hat sich der Feldzug der USA gegen die Terroristen des 11. Septembers in drei große regionale Konflikte verstrickt - Nahost, Kaschmir und Kaukasus - und ist dabei, sich selbst einen vierten zu erschaffen: den gewaltsamen Umsturz im Irak und eine politische Neuordnung mit noch unbekanntem Personal und nicht absehbaren Auswirkungen auf die Nachbarländer der Region.

Allen diesen Konflikten ist gemeinsam, dass sie mit dem Krieg gegen die Terrororganisation Al-Qa’ida von Osama Bin Laden nur wenig oder nichts zu tun haben. Gleichwohl beeinflussen sie die Antiterrorkoalition und nutzen sie für ihre Zwecke; die Konfliktparteien in Jerusalem, Islamabad und Grosny stellen Bundesgenossen oder bringen neue Feinde hervor und entscheiden heute über Erfolg und Scheitern der amerikanischen Außenpolitik. Vom Antreiber sind die USA mitunter zum Getriebenen geworden.

Bush und die "Achse"

Mit ihrer Nachsicht in Tschetschenien gewann die US-Regierung Moskau und mit der Duldung von Menschenrechtsverstößen Peking, - die "Islamische Bewegung Ost-Turkestans", Chinas gewalttätige Separatisten in der Provinz Xinjiang, stehen zudem auf der US-Weltliste der Terrorgruppen. "Einige Regierungen werden furchtsam sein im Angesicht des Terrors", erklärte George W. Bush im Februar 2002 in einer Rede zur Lage der Nation, in der er die "Achse des Bösen" erfand: "Doch niemand soll sich täuschen. Wenn sie nicht handeln, wird Amerika handeln."

Gehandelt hat Washington in Südostasien. Auf den Philippinen ist nach Afghanistan die zweite Antiterrorfront eröffnet worden. Ein vereitelter Anschlag auf die US-Botschaft und US-Kriegsschiffe in Singapur im Dezember 2001 gilt mittlerweile als der größte Terrorplan seit dem 11. September. ((mab/DER STANDARD, Printausgabe, 4.9.2002)

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    Erfinder der "Achse des Bösen": US-Präsident George W. Bush

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