Der stinkenden Brühe mit Sauerstoff zu Leibe rücken

3. September 2002, 15:56
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Über der größten Landschaftsanlage Kontinentaleuropas - dem Wörlitzer Park - hängt ein saurer Gestank

Dessau/Wörlitz - Vor der verheerenden Hochwasserflut konnten Helfer das Dessau-Wörlitzer Gartenreich schützen, doch nun droht der seit zwei Jahren zum Weltkulturerbe der UNESCO zählenden einzigartigen Landschaft im südöstlichen Teil Sachsen-Anhalts erneut Gefahr. Als Spätfolge des Hochwassers strömt durch den Hauptzufluss eine stinkende schwarze Brühe in die vielen Kanäle und Seen des Parks. Über der größten Landschaftsanlage Kontinentaleuropas hängt ein saurer Gestank.

Schwarz wie flüssige Kohle

"Vor zwei, drei Tagen war das Wasser schwarz wie flüssige Kohle", schildert Ludwig Trauzettel von der Kulturstiftung des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs den Ernst der Lage. Vereinzelt treiben tote Fische an der Oberfläche der Seen. Die Seerosen, die sonst zum typischen Bild der romantischen Landschaft mit ihren uralten Bäumen, kleinen Schlössern und Tempeln gehören, blühen nicht mehr. Die Nachwirkungen der Flut zerstörten die mühevolle Arbeit der Gärtner in kürzester Zeit.

Kampf gegen Öl

Die Feuerwehr konnte aber noch Schlimmeres verhindern, mit einer Barriere wurde der Zufluss von noch mehr Öl gestoppt. Zudem gingen die Helfer daran, es mit Bindemitteln unschädlich zu machen. Doch die Gefahr ist noch nicht endgültig gebannt. "Das Öl steht immer noch direkt vor der Haustür", sagt ein Feuerwehrmann. An einem der Seen am äußeren Rande des im 18. und 19. Jahrhundert unter Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau angelegten Parks, dem Großen Walloch, schwimmt ebenfalls ein öliger Film auf dem Wasser.

Verstärkte Algenbildung

Ein Unterschied zwischen der Wasserverschmutzung innerhalb und außerhalb des Parks ist kaum zu erkennen. Und doch scheint es einen großen Unterschied zu geben: Ein Ökobüro aus Dessau, das die faulige Brühe in den Seen und Kanälen des Parks untersucht hat, erklärt die Verschmutzung in einem vorläufigen Bericht mit einer verstärkten Algenbildung. "In dem verschlammten Wasser sind viele Nährstoffe enthalten. Dadurch wachsen viele Algen, die Eisen aus dem Schlamm aussondern. Dieses Eisen treibt an der Oberfläche", erläutert Trauzettel die Herkunft des Übels.

Biologische Reinigung

Nun soll die dreckige Brühe auf biologische Art gereinigt werden - mit Sauerstoff. Dort, wo der Hauptgraben in den Wörlitzer Park fließt, saugt eine Pumpe zunächst Wasser aus dem Kanal heraus, um es anschließend wieder hineinzudrücken. "Wenn das Wasser zurücksprudelt, kommt Sauerstoff in das abgestandene Wasser", sagt ein Feuerwehrmann. Er und und seine Kollegen arbeiteten daran, zehn weitere Pumpen aufzubauen, um so ein größeres Fischsterben zu verhindern. Rund 900.000 Interessenten besuchen jedes Jahr das 145 Quadratkilometer große Gartenreich mit seinen Seen, Kanälen, Tempeln, dem Schloss und originellen Brücken. (APA/dpa)

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