Keine Racheakte geplant

4. September 2002, 12:47
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Dominique Mentha, amtierende Volksopern-Direktor mit Ablaufdatum, über graue Haare und "zu viele machtvolle Menschen, die einem sagen, was man tun soll" soll

Wien - Die Volksoper Wien ist derzeit trotz Umbaus geöffnet. Am und im Verwaltungstrakt wird derzeit heftig an der Sanierung gearbeitet. Saniert werden muss nach Ansicht der Kulturpolitik auch das Innenleben des Hauses. Im April wurde beschlossen, den 2005 auslaufenden Vertrag des seit 1999 amtierenden Volksopern-Direktors Dominique Mentha nicht mehr zu verlängern. Bis Ende September können sich NachfolgerInnen noch bewerben.

Es scheint zu passen

"Ich bin sehr überrascht, ja durchaus heiter, dass die Ausschreibung zum Teil wörtliche Formulierungen meines Konzeptes, das in das Bundestheater-Gesetz eingeflossen ist, enthält", so Mentha. Ein Umstand, für den Mentha zwei mögliche Erklärungen hat: "Entweder scheint ihnen alles zu passen. Oder man macht sich zu wenig eigene Gedanken über die Volksoper."

Selber um eigene Nachfolge bewerben?

"Eigentlich könnte ich mich bewerben", schmunzelt Mentha, dem sonst nicht wirklich zum Lachen zumute ist. "Ich habe um Verlängerung meines Vertrages bis zum Mozart-Jahr 2006 gebeten. Jetzt werden dafür die Weichen gestellt, jetzt wird das Theater an der Wien neu positioniert, jetzt werden Konzepte erarbeitet und Gespräche geführt. Die Volksoper hat aber derzeit einen Direktor, der 2006 nicht mehr da ist, während der neue noch nicht da ist.

Die Art, wie Politiker agieren

"Das Anforderungsprofil des Hauses ist ein sehr schwieriges. Es gibt hohe Ansprüche an Auslastung und Einnahmen. Und es gibt zu viele machtvolle Menschen in dieser Stadt, die einem sagen, was man tun soll und was nicht." Natürlich hat Mentha während des Sommers die Ereignisse des vergangenen Frühjahrs Revue passieren lassen. "Der Vorgang war für mich sehr verletzend - aber das ist jetzt vorbei. Das gehört zum Beruf, und wie man jetzt in Zürich sieht, gehört es offenbar auch zu der Art, wie Politiker agieren."

Lobbyisten-Spiel nicht mitgespielt

"Selbstverständlich habe ich Fehler gemacht, selbstverständlich habe ich mich auf dem Gebiet des Lobbyismus weniger darauf eingelassen, was offenbar in der Stadt üblich ist. Die Machtspielereien habe ich nicht mitgespielt", resümiert der Schweizer Operndirektor. "Programmatisch bin ich sicher, dass es der richtige Weg für das Haus war. Im Laufe der Jahre sollte sich die Volksoper immer mehr im Zeitgenössischen, im Jungen, im Experimentellen positionieren. Wie wir das umgesetzt haben, ist zum Teil sehr gut, zum Teil nicht gut gelungen. Zum Teil ist die Kritik begründet."

Programm für den Tourismus

Zunächst gibt es ein dichtes Operettenprogramm, dann wird das Erfolgsstück "Schwanensee remixed" wieder aufgenommen. Versucht die Volksoper, in den ersten Wochen der Spielzeit Kasse zu machen? "Diesen Eindruck kann ich verstehen", meint Mentha, "aber es ist ein Versuch, zwischen der Volksoper und Wien-Tourismus Synergien zu erzielen. Wir haben festgestellt, dass es für die Tourismus-Werbung wichtig ist, bereits zwei, drei Spielzeiten im voraus zu wissen, was gespielt wird." Die Lösung waren Operetten-Wochen in der zweiten Juni- und der ersten September-Hälfte, ohne insgesamt das Operetten-Angebot zu erhöhen.

Keine Racheakte für letzte Saison vorgesehen In der Volksoper befindet man sich längst in der Planungen für Menthas Abschluss-Saisonen 2003/04 und 2004/05: "Wir haben natürlich die nächste Spielzeit geklärt. Es wird starke zeitgenössische Signale geben, etwa die Uraufführung eines Auftragswerks von Detlef Heusinger zum Thema Leni Riefenstahl - nicht zu ihrem Leben, sondern zu ihrer Ästhetik. Und dann gibt es auch zum ersten Mal eine Barockoper." - "Auch in der letzten Spielzeit möchten wir natürlich, dass es ein paar ungewöhnliche Dinge geben wird. Ich werde sicher die letzte Saison nicht für Racheakte verwenden, da kann ich zwischen mir und dem Haus abstrahieren. Aber jetzt habe ich natürlich eine gewisse Freiheit..."

Wie wichtig ist Politikern die Volksoper

Dringlicheres sieht Mentha beim Finanziellen anstehen: "Entscheidend wird sein: Wird die Deckelung des Budgets aufgehoben oder nicht? Wenn nicht, dann geht es nur noch um ein Notprogramm für die Volksoper." Auch die nötige zweite Stufe des Umbaus ist noch ungeklärt. Ebenfalls ist eine zweite, kleine Spielstätte notwendig. "Die zweite Stufe des Umbaus ist leider noch abhängig von Finanzierungsmöglichkeiten. Daran wird man auch sehen, wie wichtig den Politikern die Volksoper ist."

Die Zukunft

Für seine Nachfolge hofft Mentha, "dass die Übergabe so sein wird, wie sie in Innsbruck (wo Mentha zuvor Intendant war, Anm.) gewesen ist." Über seine weiteren Zukunftspläne verrät Mentha vorläufig nur eines: "Ich möchte dann nicht weiter in Österreich bleiben, wo ich dann 14 Jahre gewesen sein werde. In Österreich werden die Haare schneller grau." (APA)

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    Dominique Mentha

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