Zürich wird zum "Mekka" für Sterbehilfe

3. September 2002, 14:41
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Schwerkranke Menschen aus aller Welt suchen Hilfe die ihnen fast überall verweigert wird - Viele kritisieren den "Fließband-Sterbetourismus" als zu temporeich...

Bern - Zürich wird zum "Mekka" für Sterbehilfe Suchende aus aller Welt. Nach Medienberichten wird die dort ansässige Sterbehilfeorganisation Dignitas von Anfragen überrannt, da sie auch Ausländer auf Verlangen in den Tod begleitet. Viele Experten sehen diese Form des Tourismus allerdings mit Skepsis.

Keine Aussicht auf Heilung

Dignitas empfängt Sterbewilligen aus aller Welt. Nach Meinung von Generalsekretär Ludwig Minelli hat jeder Mensch das Recht, seinem Leben ein Ende zu setzen, wenn sein Leiden unerträglich werde und keine Aussicht auf Heilung mehr bestehe. Zudem hofft Minelli auf eine Signalwirkung, die auch in anderen Ländern zu einer freien Handhabung des Themas Sterbehilfe führe.

Liberale Schweizer Gesetzgebung

Im vergangenen Jahr begleitete Dignitas 50 Menschen in den Tod - davon waren 31 keine Schweizer Staatsbürger. Möglich wird dieser Sterbehilfe-Tourismus durch die liberale Schweizer Gesetzgebung. Strafbar ist laut StGB die Beihilfe zum Selbstmord nur dann, wenn man aus "selbstsüchtigen Beweggründen" handle.

Tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital

Hilfe zur Selbsttötung für Zugereiste findet in einer Mietwohnung statt, wo die Patienten im Beisein einer Dignitas-Begleitung eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital einnehmen. Zuvor muss man medizinische Unterlagen beibringen, die Auskunft über eine tödliche Krankheit oder unzumutbare Behinderung geben und in einem Brief darlegen, weshalb man sterben will.

Problem: Tempo

Als problematisch stufen Fachleute das Tempo ein, mit welchem Dignitas zur Tat schreitet. Der Zürcher Regierungsrat kritisierte unlängst, dass die Selbsttötung oft am gleichen Tag passiere, an dem die Freitod-Willigen in Zürich ankämen. Auch fände zwischen beiden Parteien meiste nur ein Gespräch statt.

Fließband

Den Vorwurf des Fließband-Tötens weist Minelli von sich. Dignitas leiste seriöse Sterbehilfe für Leute, die es sich reiflich überlegt hätten. Jeder einzelne Fall werde im Vorfeld gründlich abgeklärt, was je nach Situation auch sehr schnell gehen könne. (APA)

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