Börsen vor volatilem Herbst

3. September 2002, 14:33
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Fondsanbieter Amis: Kriegsgefahr, Terrorangst und Platzen der Immobilienblase Risikofaktoren - Jedoch schon attraktive Einstiegsniveaus

Wien - Während die Aktienbörsen auch im Herbst größere Kursschwankungen sehen dürften, bieten die jüngsten Kurseinbrüche für mittel- bis langfristig orientierte Anleger bereits attraktive Einstiegsniveaus, so der gemischte Marktausblick im Rahmen eines Pressegesprächs des Fondsdienstleisters AMIS und des Fondsmanagers Christian Tury in Wien. Auf kurze Frist rät der Amis-Chefportfoliomanager Wolfgang Gänsdorfer aber noch mit Aktienengagements abzuwarten, da trotz der jüngsten Kursstürze einige Risikofaktoren noch nicht vollständig in den Märkten eingepreist sind.

So dürfte die Volatilität der Börsen im Herbst angesichts der Kriegsgefahr im Irak und der Ängste vor neuen Terroranschlägen anhaltend hoch bleiben. Aber auch von Wirtschaftsseite droht weiteres Ungemach. Im Blickpunkt stehe die Konjunkturlokomotive USA und hier insbesondere das Verhalten der US-Verbraucher.

Immobilienblase

Bisher konnten die gesamtwirtschaftlichen Effekte der Verluste an den Aktienmärkten durch den Boom am US-Immobilienmarkt gemildert werden. Der Immobilienbesitz sei in den USA gleichmäßiger verteilt als Aktienbesitz, der wertmäßige Immobilienbesitz des "Durchschnittsamerikaners" übersteigt den Aktienbesitz deutlich, so Gänsdorfer. Studien zufolge senke ein Aktienverlust von einem Dollar den Konsum um rund drei bis fünf US-Cent, während ein Immobiliengewinn von einem Dollar die Verbraucherausgaben um vier bis sieben Cent erhöhen, rechnet der Experte vor.

"Wenn die Immobilienblase platzen sollte, wird der Konsum aber noch stärker unter Druck kommen", warnt Gänsdorfer. Dies könnte im Fall einer neuerlicher Rezession bzw. einem weiteren deutlichem Anstieg der Arbeitslosigkeit oder des Renditeniveaus passieren. Insgesamt sei er hinsichtlich eines Wirtschaftsaufschwungs im zweiten Halbjahr pessimistischer geworden, "ein double-dip werden wir aber nicht sehen", so die Einschätzung des Experten.

US-Aktien übergewichtet

Entsprechend konservativ sind auch die Amis-Fonds aktuell positioniert, vor einer progressiveren Asset Allocation wollen die Fondsexperten erst das dritte Quartal abwarten. 50 Prozent der Amis-Fonds seien derzeit im sicheren Hafen der Anleihen veranlagt, hier setzt das Fondshaus aber bereits verstärkt auf Unternehmensanleihen, insbesondere aus dem Telekom-Sektor. Die andere Hälfte des veranlagten Kapitals ist vor allem in US-Aktien übergewichtet. Hier präferieren die Experten defensive Werte und Zykliker mit einem niedrigen Kurs/Buchwert-Verhältnis.

USA Leithammel

Auch für den nächsten Wirtschaftsaufschwung sehen die Amis-Experten die USA als Leithammel, Europa dürfte keine Eigeninitiative entwickeln und weiter der Entwicklung der US-Börsen und Realwirtschaft nachhinken. Positiv sieht der Experte weiter den Ausblick für die EU-Beitrittskandidaten. Die Risikoprämien der Märkte der Beitrittswerber werden sich den West-Niveaus angleichen, hier gebe es noch hohes Potenzial für die Aktienmärkte, meint auch Christian Tury von Tury Invest. (APA)

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