"Bahnpostbus" kommt in Fahrt

5. September 2002, 16:45
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ÖBB beschließt Postbus-Kauf um 116 Millionen Euro - Gewerkschafter rüsten zum Kampf

Wien - Der Postbus hat am Mittwoch den ersten Streckenabschnitt hin zur ÖBB zurückgelegt: Sowohl der Postbus-Aufsichtsrat als auch jener der Bahn haben den Kauf der 1600 Busse starken gelben Busflotte um 116 Millionen Euro beschlossen. In beiden Kontrollgremien stimmten die Belegschaftsvertreter dagegen, weil das ÖBB-Management keine Bestandsgarantie für Österreichs größte Linienbusgellschaft abgeben wollte.

Nicht ganz einig waren sich offenbar die Kapitalvertreter im ÖBB-Aufsichtsrat, denn dort fehlten zwei Stimmen, und die Buslösung wurde mit neun gegen sechs Stimmen (bei einer Enthaltung) pro Postbus entschieden. Hitzige Debatten gab es über die anstehende 30-prozentige Teilprivatisierung der neuen Bustochter, insbesondere deren operative Umsetzung. Wie mehrfach berichtet, soll ein Drittel des neuen "Bahnpostbusses", der mit rund 2500 Bussen mehr als tausend Linien fahren wird, an private Konkurrenten verkauft werden. Dies war die Auflage des Ministerrats, sonst hätten die Eisenbahner kein grünes Licht bekommen für den Buskauf.

Völlig offen ist, ob sich Blaguss, Dr. Richard & Co an einer zu gründenden Busholding beteiligen werden oder an zu gründenden Regionalgesellschaften. Ausgeschlossen hat Verkehrsminister Mathias Reichhold, dass sich die Privaten lukrative Linien herauspicken, denn nur 20 Prozent der Postbuslinien seien rentabel und würden damit den Rest des Nahverkehrs subventionieren.

Gewerkschaften gehen in Position

Die unterlegenen Gewerkschafter rüsten unterdessen zum Kampf: Am Donnerstag trifft der Leitungsausschuss zusammen, um das weitere Vorgehen mit ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch zu beraten. Streikmaßnahmen wie im Mai werden nicht ausgeschlossen. Man will allerdings noch den Verkaufsbeschluss der ÖIAG morgen, Freitag, abwarten. ÖBB-Betriebsratschef Wilhelm Haberzettl ist nicht prinzipiell gegen den Kauf der Postbus AG, aber dagegen, dass diese nun zerstückelt wird. Weder Politik noch ÖBB-Management hätten einen Plan dafür.

Wie ein Kapitalvertreter dem STANDARD sagte, soll nun rasch eine ÖBB-Immobiliengesellschaft zur Ausgliederung der Postbus-Liegenschaften gegründet werden. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 5.9.2002)

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