"Express"-Journalisten fürchten um Unabhängigkeit

3. September 2002, 12:42
posten

Nach Übernahme durch Figaro-Verlag Socpresse

Die Journalisten des französischen Wochenmagazins "L'Express" fürchten nach ihrer Übernahme durch die Pressegruppe Socpresse, an der zu 30 Prozent der Flugzeugindustrielle Serge Dassault beteiligt ist, um ihre Unabhängigkeit. Die Journalisten des Magazins haben die neuen Aktionäre daher aufgefordert, eine "Charta zur Identität und Unabhängigkeit des Express" zu unterzeichnen. Socpresse, die die Wochenzeitschrift jüngst vom Mischkonzern Vivendi Universal übernommen hat, verlegt unter anderem auch das konservative Blatt "Le Figaro".

Protest mit offenem Brief

Die Journalisten des Express, dem insgesamt 115 Redakteure angehören, protestierten in einem offenen Brief an die neuen Aktionäre gegen die Gefahr, dass ihre Zeitschrift zum "Instrument eines politischen Engagements, politischer Ambitionen oder wirtschaftlicher Interessen" werden können. Die Familie Dassault ist in Frankreich im konservativen politischen Lager aktiv. Serge Dassault ist RPR-Präsident des Generalrats im Departement Corbeil-Essonne.

Die Redakteure des Express hatten sich bereits 1997 gegen den Versuch Dassaults erfolgreich zur Wehr gesetzt, das Magazin zu übernehmen. Dassault habe damals "seine Absicht zugegeben, die redaktionelle Linie der von ihm kontrollierten Medien abzuändern", schreiben die Journalisten. (APA)

Share if you care.