SPÖ will Schülern mit einem "Nicht Genügend" den Nachzipf ersparen

3. September 2002, 13:58
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Kuntzl für automatisches Aufsteigen - Brandsteidl: Regelung mit Entscheidung der Klassenkonferenz "höchst problematisch"

Wien - Einen neuen Anlauf unternimmt die SPÖ für das "Aufsteigen mit einem Fünfer": Jene Schüler, die im Jahreszeugnis nur ein "Nicht Genügend" haben, sollen ohne Nachprüfung automatisch die nächste Schulstufe besuchen können, fordert SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl im "Kurier" (Dienstag-Ausgabe). Stattdessen sollten die betroffenen Schüler Zusatzunterricht in jenem Fach bekommen, das sie negativ abgeschlossen haben.

Derzeit entscheidet die Klassenkonferenz im Einzelfall, ob ein Schüler mit nur einem "Fleck" aufsteigen darf. Dieser Umstand ist auch der amtsführenden Präsidentin des Wiener Stadtschulrats, Susanne Brandsteidl (S), ein Dorn im Auge: Die aktuelle Regelung sei "höchst problematisch", da die Klassenkonferenzen von Schule zu Schule unterschiedlich entscheiden würden - während an einem Standort sehr viele Schüler die "Aufstiegsklausel" erhalten, würden andere Schulen äußerst restriktiv vorgehen, so Brandsteidl am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz. Der größte Teil der Berufungen an den Stadtschulrat würden die Entscheidungen der Klassenkonferenzen über den Aufstieg mit einem Nicht Genügend betreffen.

Einheitliche Regelung sinnvoller

Viel sinnvoller sei eine einheitliche Regelung, betonte die Wiener Schul-Chefin: Dies könne das von Kuntzl vorgeschlagene automatische Aufsteigen sein oder etwa ein "Joker", der je einmal in Unter- und Oberstufe eingesetzt werden kann. Eine weitere Alternative stelle das von der SPÖ für die Oberstufe geforderte Kurssystem dar, bei dem nicht einzelne Schuljahre abgeschlossen werden, sondern die Jugendlichen wie an der Uni in den einzelnen Gegenständen "Scheine" sammeln. Auch bei einem automatischen Aufsteigen müsse es aber eine Einschränkung geben, so Brandsteidl: Dieses dürfe nicht jedes Jahr vom Schüler in Anspruch genommen werden können. Hat ein Schüler zwei "Nicht Genügend" im Zeugnis, soll er laut Brandsteidl wie schon bisher Nachprüfungen in diesen Fächern absolvieren müssen.

"Schwer reformbedürftig" hält die Stadtschulrats-Präsidentin auch die "schulautonomen Tage", mit denen die einzelnen Schulen den Kindern und Jugendlichen bzw. Lehrern selbstständig frei geben können. Hier sei eine zumindest auf Länderebene einheitliche Regel sinnvoll, da es sonst zu Betreuungsproblemen für Eltern mit Kindern an verschiedenen Schulen kommen könne.

Gegenüber der Einführung von generellen "Herbstferien" zeigte sie sich zurückhaltend: Eine Änderung der Ferienordnung müsse auf Bundesebene breit diskutiert werden - eine Verlängerung der Gesamt-Ferienzeit könne sie sich aber nicht vorstellen. (APA)

  • Ein Fetzen? Völlig egal! sagt die SPÖ und fordert Aufsteigen mit Fünfer
    montage: derstandard.at

    Ein Fetzen? Völlig egal! sagt die SPÖ und fordert Aufsteigen mit Fünfer

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