Anti-Gelsenmittel enthalten "gefährliche Gifte"

3. September 2002, 13:55
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Umweltschützer warnen vor Risiken

Wien - Nach dem Hochwasser sind sie in vielen Gegenden Österreichs in übergroßer Zahl "eingefallen": die Gelsen. Umweltschützer warnen die geplagte Bevölkerung jetzt davor, so genannte Repellents bedenkenlos zu verwenden. Viele der am häufigsten eingesetzten Anti-Gelsenmittel enthalten laut Global 2000 "gefährliche Gifte".

Besonders Mittel mit den Wirkstoffgruppen der Pyrethrine, Pyrethroide oder Chlorpyrifos sollten "unbedingt gemieden" werden. "In einer Untersuchung von Global 2000 wurden diese Gifte in einer Reihe von Gelsenmitteln der Drogeriemärkte Bipa, DM und Schlecker nachgewiesen. Darunter sind auch bekannte Marken wie TUS, Vandal und Nexa Lotte", fasste Klaus Kastenhofer, Mediziner der Umweltschutzorganisation Global 2000, die Ergebnisse zusammen. Getestet worden seien handelsübliche Verabreichungsformen wie Gelsensprays, -stecker und so genannte Moskitocoils.

Vergiftungssymptome

Typische Symptome für eine Vergiftung mit Pyrethroiden seien Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Kopfschmerzen, sagte Kastenhofer. "Pyrethrine und Pyrethroide sind starke Nervengifte, die bei Aufnahme über die Lunge oder die Haut die menschlichen Nerven schädigen."

Als alternative Gelsenmittel werden ätherische Öle (Teebaumöl, Zedernöl, Citronellaöl, Lavendel) und Moskitonetze empfohlen. Auch Paradeiserstauden im Hausgarten helfen, da die Duftstoffe dieser Pflanzen Gelsen abschrecken.

Gefahr der geschlossenen Räume

Für alle Gelsenmittel gilt laut Global 2000: Die Anwendung in geschlossenen Räumen birgt ein erhöhtes Vergiftungspotenzial. Pyrethroide etwa würden auf Staubpartikeln in der Luft haften bleiben und sich nur langsam abbauen. Kinder im Krabbelalter seien daher besonders gefährdet, weil sich Staub in Bodennähe sammelt. Ein größeres Risiko hätten auch Menschen mit gestörter Hautbarriere (Hautallergiker).

Im Freien solle man Nutzen und Risiken genau abwägen, empfahl Kastenhofer im APA-Gespräch. Bei Auslandsurlauben in malariaverseuchten Regionen allerdings sei der mögliche Schaden wohl geringer als der Nutzen. In Österreich hingegen, wo eine Ansteckung mit Malaria nicht zu befürchten sei, sollte man sich die Anwendung der Mittel nach dem Motto "Lieber einen Gelsendippel mehr..." gut überlegen.

In den USA verboten - in Österreich erlaubt

"Der Konsument soll sich beim Kauf von Gelsenmitteln die Inhaltsstoffe ganz genau ansehen", rät Kastenhofer. Bezeichnungen wie Azamethiphos, Neopyamin, Tetramethrin, Sumithrin, Phenothrin, Prallethrin, (Natur-)pyrethrum, Chrysanthemate, Pyrethrumextrakt und (Bio-)resmethrin würden Hinweise auf "mögliche Giftbomben" geben. Bedenklich sei, dass die Hersteller in vielen Fällen vom Gesetzgeber nicht dazu verpflichtet wurden, überhaupt Angaben über die Inhaltsstoffe auf der Verpackung abzudrucken. Vor solchen Mitteln ohne Angaben wurde gewarnt.

Besonders gefährlich sei der Wirkstoff Chlorpyriphos. Wegen einer hohen Zahl von Vergiftungen sei er in den USA für die Anwendung in geschlossenen Räumen verboten, in Österreich noch nicht. Die Umweltschützer haben diese Substanz in einem Ameisenspray entdeckt. (APA)

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