Kneissl stellt Skiproduktion in Tirol ein

3. September 2002, 11:32
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100 Jobs gefährdet - ÖGB informiert Mitarbeiter

Innsbruck - Die in den vergangenen Jahren immer wieder krisengeschüttelte Tiroler Traditionsmarke Kneissl in Kufstein stellt mit Jahresende die Skiproduktion ein. 100 Jobs könnten gefährdet sein. Die Produktion soll an einen anderen Standort verlegt werden. "Wir stellten zuletzt nur noch 100.000 Paar Ski her. Das ist eindeutig zu wenig, um wirtschaftlich erfolgreich zu agieren", so Kneissl-Chef Florian Brunner in der Dienstagausgabe der Tiroler Tageszeitung.

Der gesamten Wintersport-Branche gehe es sehr schlecht. Die Bilanz 2002 weise "erneut deutlich rote Zahlen" aus. Daher sei der Abzug der Produktion der einzig wirtschaftlich mögliche Weg. Ansonsten wäre der Weiterbestand der gesamten Kneissl & friends Gruppe mit den Marken Kneissl, DeeLuxe, Raichle und Dachstein gefährdet. Knapp hundert Mitarbeiter wurden beim Arbeitsmarktservice im Rahmen des Frühwarnsystems zur Kündigung angemeldet. Insgesamt sind in Kufstein 135 Mitarbeiter bei Kneissl beschäftigt.

Genaue Zahl noch unklar

"Ich kann definitiv noch nicht sagen, wie viele Leute wir entlassen müssen. Im März 2003 werden die letzten Kneissl-Ski in Kufstein hergestellt", blickt Brunner in die Zukunft. Wo künftig die Ski mit dem Stern hergestellt werden, sei noch offen. "Wir wollen auf jeden Fall bei einem der acht österreichischen Anbieter produzieren lassen, denn die Marke Kneissl ist untrennbar mit dem Gütesigel 'Made in Austria' verbunden".

Das Beispiel der Gruppentochter Raichle beweise, dass der jetzt eingeschlagene Weg auch für Kneissl zum Erfolg werden kann, zeigte sich Brunner überzeugt. "Auch dort haben wir die Produktion an einen strategischen Partner ausgelagert und uns ganz auf Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb konzentriert." Brunner will in Kufstein ein Kompetenzzentrum für Wintersport entstehen lassen: "Das Kneissl-Know-how kommt weiter aus Tirol."

In Kneissls Glanzzeit wurden 450.000 Paar Ski hergestellt. Zuletzt waren es nur noch 100.000.

ÖGB informiert betroffene Mitarbeiter

Der Tiroler ÖGB hat am Dienstag eine Informationsveranstaltung für die betroffenen Kneissl-Mitarbeiter angekündigt. Gemeinsam mit der Geschäftsleitung würden Möglichkeiten eines Sozialplanes und einer Arbeitsstiftung verhandelt.

Die Gespräche mit den 97 von der Kündigung betroffenen Mitarbeiter sollen am Mittwoch stattfinden. Man werde sie in der schwierigen Situation nicht alleine lassen, versprach ÖGB-Chef Franz Reiter. (APA)

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