Afghanistans Gesundheitswesen ist am Boden

3. September 2002, 08:52
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Laut WHO fehlt es vor allem an Geld und Aufklärung - Ausbildungsprogramm für Journalistinnen gestartet

Genf - Acht Monate nach der Intervention der USA und Großbritanniens kommt der Aufbau des Gesundheitswesens in Afghanistan nur langsam voran. 200 Millionen Dollar (204 Mill. Euro) sind dafür in den nächsten zwei Jahren notwendig. Das gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag in Genf bekannt. Von den notwendigen 200 Millionen Dollar für den Aufbau der Gesundheitsversorgung habe die WHO bisher nur einen Bruchteil erhalten, sagte die Verantwortliche der Organisation in Afghanistan, Loretta Hieber-Girardet.

Ein Art für eine halbe Million Menschen

"Das Gesundheitswesens in Afghanistan gehört weltweit zu den schlechtesten," sagte Hieber-Girardet. "Ein Viertel der Kinder sterben an vermeidbaren oder heilbaren Krankheiten vor ihrem fünften Lebensjahr. Die Menschen erkennen oft die Krankheitssysmptome nicht." Hieber-Girardet bedauerte, dass Gesundheitsfragen bei der Hilfe der westlichen Länder keine Priorität habe. Diese konzentrierten sich auf die Sicherheit, die Polizei und Armee. Im Westen Afghanistans stehe nur ein Arzt für eine halbe Million Menschen zur Verfügung, sagte die WHO-Verantwortliche.

Risiko Schwangerschaft

Viele Frauen stürben bei Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt eines Kindes, weil sie keinen Arzt aufsuchen dürften und Ärztinnen gebe es zu wenig. Viele von der WHO befragte Frauen hätten sich für eine Familienplanung ausgesprochen, sagte Hieber-Girardet. Sie wünschten drei bis vier Kinder statt durchschnittlich sieben bis elf, wie es dem derzeitigen Schnitt entspreche.

Wenig Verbesserungen für die Frauen

Nach Angaben der WHO-Sprecherin hat sich seit dem Ende des Taliban-Regimes für die Frauen nicht viel geändert. Selbst in der Hauptstadt Kabul komme es vor, dass Frauen mit Benzin übergossen und angezündet würden, weil sie ohne Erlaubnis ihres Mannes das Haus verließen.

Am 1. September hat auch ein Ausbildungsprogramm der WHO für Journalistinnen begonnen. Das Programm soll helfen, mit Unterstützung der BBC Informationen über elementare Gesundheitsfragen zu verbreiten. (APA)

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    In einigen Teilen des Landes fällt auf eine halbe Million Menschen ein/e ÄrztIn
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