Quartier will sich zeigen: Signal gesucht

2. September 2002, 19:25
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Studie zeigt hohe Beliebtheit des Museumsquartiers

Wien - Den Leseturm kappten die Denkmalschützer. Die Bawag verlor das Interesse, am Beginn der Mariahilfer Straße ein Designzentrum zu errichten. Und auch der Vorschlag von Michelangelo Pistoletto, einen riesigen roten Ballon samt Spiegel über dem Museumsquartier schweben zu lassen, lässt sich nicht realisieren. Das Areal aber, hinter der Fischer-von-Erlach-Fassade der ehemaligen Hofstallungen gelegen, braucht ein Signal nach außen.

Aufwendiger Plan

Dies ist nun auch Wolfgang Waldner, dem Direktor, bewusst geworden: Anfang Oktober will er daher einen offenen Gestaltungswettbewerb für den Vorplatz inklusive Leitsystem ausloben, an dem Künstler und Architekte teilnehmen können. 200.000 bis 300.000 Euro sollen für das Projekt bereit gestellt werden - Waldner hofft, heute, Dienstag, die Zustimmung von seinem Aufsichtsrat zu erhalten. Vorgaben gibt es keine, abgesehen natürlich vom Denkmalschutz.

Jeder Fünfte war da

Dies gab Waldner bei einer Pressekonferenz mit Kulturministerin Elisabeth Gehrer (VP) bekannt, in der eine von Integral erhobene Befragung vorgestellt wurde. Diese attestiere dem Museumsquartier "ausgezeichnete Werte bei Bekanntheit, Akzeptanz und Besuchshäufigkeit". Praktisch jeder zweite Wiener und jeder fünfte Österreicher habe das Areal bereits erkundet, 80 Prozent der Besucher fänden es "sehr gut", niemand hingegen "überhaupt nicht gut".

Flanierviertel

Veranstaltungen und Ausstellungen stellen aber nur für die Hälfte die Motivation für den Besuch dar: Die andere kommt, um zu flanieren, zu verweilen und die gastronomischen Einrichtungen zu nutzen, die mit der Zeit immer vielfältiger wurden und noch werden. Jüngst (neuerlich) aufgetauchten Befürchtungen, das Museumsquartier könnte auch durch eine Diskothek oder einen Nachtklub bereichert werden, erklärte Direktor Waldner hingegen als gegenstandslos.

Anrainer artikulieren derartige Ängste, seit bekannt ist, dass Mitte September die "Augenscheinverhandlung" für einen Gatstrobetrieb "in der Betriebsart einer Bar" (so steht es im magistratischen Schreiben) angesetzt ist. Denn im nördlichen Trakt des Areals soll ein Lokal errichtet werden, das neben zwei Schanigärten auch DJ-Betrieb und Livemusik bieten werde.

Angst vorm Lärm

Da dieses bis vier Uhr früh offen haben wird, fürchten Anrainer "noch mehr Lärm in den Innenhöfen". Nächtliche Livemusik könne "sicher nicht der Grundidee des Viertels" entsprechen. Könne es doch, entgegnet Waldner: Das Lokal, Ersatz für das Depot-Café, sei von Anbeginn an in der Gastronomiekonzeption vorgesehen gewesen. Die Öffnungszeiten für den neuen Betrieb würden denen des Café Leopold und der Halle entsprechen: "Und das hat sich in der ersten Gastgartensaison zur Zufriedenheit aller - also Anrainer, Gastronomen und Institutionen - durchführen lassen." (rott, trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2002)

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