WAZ wirft Springer Gesetzesbruch vor

2. September 2002, 19:03
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Streit um Übernahme nimmt an Schärfe zu

Der Streit zwischen der WAZ-Gruppe und dem Springer-Verlag, der den Einstieg des Essener Zeitungskonzerns verhindern will, wird immer schärfer. WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt warf am Montag in einem Interview mit der Financial Times Deutschland dem Management des Hamburger Verlagshauses vor, gegen das Gesetz zu verstoßen. "Das Aktiengesetz verbietet dem Vorstand, eine Option nicht zu prüfen, die den Unternehmenswert erhöhen kann. Das missachtet die freien Aktionäre."

Linksruck

Die WAZ will, wie berichtet, den 40-Prozent-Anteil von Leo Kirch am Springer-Verlag kaufen, wogegen sich die Verlegerin Friede Springer und auch die Enkel Axel Sven und Ariane wehren. Auch die Chefredakteure der Springer-Blätter - mit Ausnahme von Bild am Sonntag-Boss Claus Strunz - haben sich in einer gemeinsamen Erklärung schriftlich gegen den Einstieg des Essener Konzerns ausgesprochen. Seit rund eineinhalb Wochen werden in allen Springer-Blättern in einer beispiellosen Aktion negative Artikel über den WAZ-Konzern veröffentlicht, in denen auch vor einem "Linksruck" gewarnt wird.

Das konservative Verlagshaus, dessen Zeitungen relativ unverhohlen für die CDU/CSU im Wahlkampf Partei ergreifen, bekam auch am Wochenende umgekehrt von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber Schützenhilfe. Ein WAZ-Einstieg werde auf seinen politischen Widerstand stoßen, kündigte Stoiber an. Der als Schatten-Wirtschaftsminister nominierte CDU-Politiker Lothar Späth relativierte im Gespräch mit dem STANDARD aber diese Drohung etwas: "Das ist eine politische Äußerung, die aussagt: Unter meiner Führung könnt ihr nicht rechnen, dass es eine Erlaubnis gibt, wenn die Kartellbehörden Bedenken haben." Späth betonte, für die rechtliche Prüfung eines Einstiegs der Mutter von Krone und Kurier bei Springer sei allein das Kartellamt zuständig. (DER STANDARD, Printausgabe vom 3. 9. 2002)

Eine Analyse von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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