Horst Wendlandt 1922 - 2002

3. September 2002, 16:23
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Nachruf auf einen deutschen Kino-Erfolgsproduzenten

Berlin - Der Erfolg des Schuh des Manitu bewies es zuletzt nachdrücklich: Manche Bilder und Figuren im kollektiven Bewußtseins des deutschen Sprachraums sind einfach nicht totzukriegen - auch wenn sie etwas wahnwitzig andere Kulturen herbeiträumen. Karl Mays Winnetou ist ganz eindeutig so ein Fall, und dass er noch heute bei diversen Open-Air-Festivals wieder aufersteht, danken wir nicht zuletzt den einschlägigen Verfilmungen, also vor allem dem deutschen Produzenten Horst Wendlandt.

Dessen Firma Rialto Film beschenkte uns in den 60er Jahren mit deutschen Western in kruden Besetzungen: Da stand und schoss der Franzose Pierre Brice neben fast schon abgehalfterten US-B-Movie-Stars wie Lex Barker und Stewart Granger sowie neben Junghoffnungen wie Mario Adorf oder Götz George. Zum Dank dafür können wir bis heute immer noch die Filmmusiken nachpfeifen.

Ähnliches war Horst Wendlandt schon vorher auf der Basis von Edgar-Wallace-Krimis wie Der Frosch mit der Maske gelungen: Und dass er dabei nicht nur künftige Stars wie Heinz Drache oder Joachim Fuchsberger entdeckte, sondern auch den später für Autorenfilmer höchst bedeutsamen Klaus Kinski - es passt vortrefflich zur Kraut-und-Rüben-Situation des deutschen Nachkriegskinos, in dem Wendtland wortwörtlich vom Kassierer zum Millionär wurde. Bei einem Monatsverdienst von 125 Mark zahlte er als Buchhalter der Ufa Filmstars wie Hans Albers 80.000 Mark pro Film aus. 1956 avancierte er zum Produktionsleiter bei Artur Brauners CCC-Film. 1961 stieg er in die dänische Rialto-Film ein.

"Ich halte meine Nase in den Wind und wenn ich nichts rieche, dann ist da auch nischt", soll Wendlandt einmal gesagt haben - und schnupperte auch auf höheren Niveaus: Ingmar Bergmans filmisches Vermächtnis, die autobiografische Familiengeschichte Fanny und Alexander hat er ebenso mitproduziert wie Rainer Werner Fassbinders Lola oder Die Sehnsucht der Veronika Voss. Seine letzten großen Hits verdankte Wendlandt den Komikern Otto Waalkes und Loriot (Ödipussi). Am Freitag erlag der Produzent in Berlin einer Krebserkrankung. Eine Geschichte seines Einflusses auf die deutschen Populärmythen wird noch zu schreiben sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2002)

Von Claus Philipp
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    Gutes Gespür für Filmstoffe: Horst Wendlandt

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