6,7 Milliarden Euro Schaden

3. September 2002, 16:39
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Erste Bilanz des Koordinierungsgremiums für Hochwasserhilfe: mindestens 42.400 betroffene Objekte in Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg

Wien - 70 Prozent der Hochwasserschäden sind bisher ermittelt, 70 Millionen Euro an Soforthilfe bereits ausbezahlt. Diese erste Bilanz wurde Montag nach einer Sitzung des zuständigen Koordinierungsgremiums bekannt gegeben. Dort beschlossenes Novum: Auch geschädigte Zweitwohnsitz-Eigentümer können Hilfe beanspruchen.

Auch die EU helfe, betonte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP): "Wir haben die Möglichkeit, 60 Millionen Euro an Reserven beanspruchen zu können. Es ist gelungen, einen europäischen Solidaritätsfonds mit Leben zu erfüllen." Dort stünden 500 Millionen Euro bereit, von denen auch österreichischen Hochwasseropfer Hilfe erhielten - DER STANDARD berichtete.

Bezüglich der Entschädigung von Zweitwohnsitz-Eigentümern erklärte Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP): "Hier ist eine einhellige Lösung gefunden worden. Die Schäden an Zweitwohnsitzen werden genauso ermittelt. Allerdings wird es bei der Entschädigungssumme einen Abschlag um 20 Prozent geben."

Beibehalten werde das Absiedelungsangebot an Menschen, die in Gegenden leben, die nicht gegen Hochwasser geschützt werden können oder wo der Aufwand dafür zu groß wäre. In Oberösterreich seien diesbezüglich fünf Ortschaften mit 80 bis 130 Häusern betroffen. Vergütung: 80 Prozent des Zeitwertes.

"Ich habe zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt. Wir werden wahrscheinlich näher bei drei Milliarden liegen", bezifferte Pühringer die Schadenssumme in Oberösterreich. Rund 30.000 Schadensmeldungen seien zu erwarten. Insgesamt seien in Oberösterreich 12.600 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche überschwemmt worden.

Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) bezifferte die Hochwasserschäden in Niederösterreich mit "drei bis 3,5 Milliarden Euro". Etwa 10.000 Gebäude seien betroffen, 10.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen überschwemmt.

"Wir gehen von 2400 beschädigten Objekten aus und rechnen mit einer Gesamtschadenssumme von rund 200 Millionen Euro", erklärte Salzburgs Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Eisl (VP). Etwa 50 Salzburger Unternehmen seien existenziell gefährdet. Bis auf eines wollten jedoch alle weitermachen.

Rund 250 österreichische Tourismusbetriebe sind laut Wirtschaftskammer Österreich durch das Hochwasser in ihrer Bausubstanz und Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen worden. Allein Oberösterreich habe im August 250.000 Nächtigungen verloren. Ursprünglich sei ein zweiprozentiges Nächtigungsplus erwartet worden.

Insgesamt, so das Ziel für alle betroffenen Bundesländer, sollen Privathaushalte bis zu 50 Prozent der Schäden ersetzt bekommen, in schwer wiegenden Fällen soll der Anteil auch höher liegen können.

Die niederösterreichische Gemeinde Schwarzenbach stellt ihren Betroffenen zehn je 880 Quadratmeter große hochwassersichere Bauparzellen kostenlos zur Verfügung, die Firma Lafarge Perlmooser spendete niederösterreichischen Hochwasseropfern 850 Gutscheine über jeweils 1,2 Tonnen Zement. Und die Österreichische Rechtsanwaltskammer warnte eindringlich vor "Keilern", die in Hochwassergebieten Unterschriften für mögliche Klagen gegen mutmaßliche Verantwortliche sammeln. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2002)

  • Sperrmüll in Grafenwörth in Niederösterreich: Nach dem Hochwasser treten Schäden immer deutlicher zutage.
    foto: standard/ matthias cremer

    Sperrmüll in Grafenwörth in Niederösterreich: Nach dem Hochwasser treten Schäden immer deutlicher zutage.

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