Bush droht "heißer Herbst"

2. September 2002, 18:19
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Steigende Unzufriedenheit bei US-Arbeitnehmern mit Wirtschaftspolitik

Washington - Die US-Arbeitnehmer sind mit der Wirtschaftspolitik ihrer Regierung sowie mit der allgemeinen Wirtschaftslage zunehmend unzufrieden. Eine Arbeitslosenrate von fast sechs Prozent, Massenentlassungen in Folge von Unternehmensskandalen sowie stagnierende Löhne seien für die schlechte Stimmung bei Arbeitern und Gewerkschaften verantwortlich, heißt es in einem Bericht der "New York Times" (Montagsausgabe) zum "Labor Day" in den USA. Der Gewerkschaftsbund AFL-CIO will nun vor den Kongresswahlen im Herbst mehr Druck auf die republikanische Regierung machen.

Einkommensschere wächst

Laut einer Studie des liberalen Economic Policy Institute wächst die Einkommensschere zwischen den reichsten Amerikanern und den Normalverdienern zunehmend an, eine Umkehrung des Trends Ende der 90-er Jahre. Die Löhne steigen derzeit mit der geringsten prozentuellen Rate seit 1995. Die Arbeitslosigkeit ist auf fast sechs Prozent gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit acht Jahren erreicht. Von den jüngsten Entlassungswellen waren besonders Frauen und College-Absolventen betroffen. Die für US-Verhältnisse hohe Arbeitslosigkeit werde in der nächsten Zeit auch nicht sinken, erwartet Lawrence Mishel, Präsident des Economic Policy Institute.

Bereitschaft zu Gewerkschaftsbeitritt steigt

Durch die Kette von Skandalen und Unternehmenszusammenbrüchen in den vergangenen Monaten ist laut einer Umfrage die Bereitschaft der Arbeitnehmer zur Organisation gestiegen. Demnach zeigten sich jetzt 50 Prozent der Nicht-Gewerkschaftsmitglieder bereit, einer Gewerkschaft beizutreten, gegenüber 42 Prozent im vergangenen Jahr. Laut der Ende August durchgeführten Umfrage sind derzeit 58 Prozent der Arbeitnehmer mit der Wirtschaftslage unzufrieden, zu Jahresanfang 2001 waren es nur 34 Prozent. 39 Prozent der Befragten haben eine schlechte Meinung von Unternehmen im allgemeinen, gegenüber 25 Prozent im Jahr 2001.

Gewerkschaft kündigt "heißen Herbst" an

Der Gewerkschaftsbund AFL-CIO ("American Federation of Labor-Congress of Industrial Organizations"), der in 66 Einzelgewerkschaften 13 Millionen Arbeitnehmer vertritt, hat bereits einen "heißen Herbst" für US-Präsident George W. Bush angekündigt. AFL-CIO-Präsident John J. Sweeney wirft Bush und den Republikanern vor, die Rechte der Arbeiter auszuhöhlen. Während für die reichsten Amerikaner Steuersenkungen beschlossen wurden, werde das Gesundheitssystem Medicare nicht ausreichend vom Staat unterstützt. Diese Politik habe insbesondere Arbeiterfamilien schwer getroffen. Am 5. November finden in den USA Kongresswahlen statt. (APA)

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