Experte : Springer und WAZ würden gut zusammenpassen

2. September 2002, 17:47
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Groebel sieht kurzfristig keine Gefährdung der Meinungsvielfalt

Ein Einstieg des Essener WAZ-Konzerns beim Axel Springer Verlag würde nach den Worten des Leiters des Europäischen Medieninstituts, Jo Groebel, aus wirtschaftlicher Sicht Sinn machen.

Auch die Meinungsvielfalt in Deutschland würde zumindest kurzfristig durch ein Engagement der WAZ bei Springer nicht beeinträchtigt, sagte Groebel am Montag. "Das wäre eher eine gegenseitige Ergänzung", betonte er. Während die WAZ als Marktführer in Nordrhein-Westfalen bisher vor allem auf Regionalblätter wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" gesetzt habe, habe sich Springer mit überregionalen Zeitungen wie "Bild" und "Die Welt" profiliert. "Rein von der Diversifikation würde das durchaus Sinn machen."

Erfahrung mit "ungewollten Gästen"

Springer hat einen Einstieg der WAZ bisher mit Hinweis auf die unterschiedlichen Unternehmenskulturen der beiden Verlagshäuser abgelehnt. Groebel sieht dies indes nicht als Hinderungsgrund an. Bei Springer habe man schließlich Erfahrung mit "ungewollten Gästen", sagte der Medienwissenschaftler angesichts des in der Vergangenheit immer wieder von Konflikten begleiteten Springer-Engagements des Medienunternehmers Leo Kirch. Der in finanziellen Schwierigkeiten steckende Medienunternehmer sucht derzeit einen Käufer für seinen 40-prozentigen Anteil am Springer-Verlag.

Zuerst der Umsatz, dann die Mission

"Die WAZ-Politik zeichnet sich gerade dadurch aus, vor allem und in erster Linie gewinnorientiert zu sein", sagte Groebel mit Blick auf Befürchtungen, die WAZ könnte Springer auf eine an der SPD ausgerichtete Linie trimmen. "Die WAZ ist kein Kampfblatt der Sozialdemokratie", fügte er hinzu. Dies zeige auch die bisherige Verlagspolitik. Daran ändere sich auch durch den Wechsel Bodo Hombachs in das Essener Verlagshaus nichts. Hombach war in der Vergangenheit unter anderem als Kanzleramtsminister unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) tätig. Der WAZ gehe es eher um Renditen als um politische Einflussnahme, sagte Groebel. Auch bei Springer gehe es "zuerst um die Umsätze und dann um die Mission", betonte der Medienfachmann. Springer werde einen Verlust nicht hinnehmen, "nur um politische Überzeugungen anzubringen". "Wenn beides in Einklang zu bringen ist, sieht man das im Haus Springer aber natürlich besonders gern", sagte Groebel weiter.

Groebel rechnet nicht mit größeren Bedenken des Bundeskartellamts. "Man muss auch immer bedenken, was die Alternative zu einem Einstieg der WAZ wäre", sagte er mit Blick auf ein mögliches Engagement ausländischer Medienkonzerne dazu. (APA/Reuters)

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