Vor giftigem Heroin wird früher gewarnt

2. September 2002, 19:19
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Drogengipfel: "Einmalfund" Strychnin

Wien - Der Drogengipfel in der Bundeshauptstadt, der am Montag stattfand, brachte eines: die Absicht, ein österreichweites Frühwarnsystem installieren zu wollen. Dabei geht es vor allem um den Informationsaustausch zwischen Ministerien, Länderbehörden und Beratungsinstitutionen, welche Substanzen jeweils aktuell am Drogenmarkt im Umlauf seien.

Dies ist die Folge eines brisanten Heroinfundes, bei dem Rattengift (Strychnin) festgestellt wurde. DER STANDARD berichtete von dem in Österreich erstmaligen Fall. Beruhigen können Experten nur dahingehend, dass dies ein "Einzelereignis" sei, die Giftmenge nicht gesundheitsgefährdend.

Für synthetische Drogen wie Ecstasy bestehe ein "loses Informationsnetz", welches beim Österreichischen Bundesinstitut (ÖBIG) für Gesundheitswesen angesiedelt sei, erklärt Rainer Schmidbauer vom Institut für Suchtprävention in Linz. Man könne dort auch das Frühwarnsystem für Heroin ansiedeln, ergänzt Wiens Drogenkoordinator Peter Hacker.

Damit könnte man jener Kritik zuvorkommen, wie sie seitens der Vorarlberger Landesregierung geäußert wurde: Man sei "befremdet" darüber, vom Strychnin-Fund "zufällig aus den Medien erfahren" zu haben.

Alexander David, der Drogenbeauftragte der Stadt Wien, hält es für wichtig, dass auch die Ärzte in den Drogenambulanzen rasche Informationen bekämen. Sie seien diejenigen, die Drogenpatienten als Erste zu sehen bekämen und bei neuen Substanzen wissen müssen, wie zu reagieren sei. Es gebe etwa eine Zunahme von Herzerkrankungen bei Drogenpatienten. Man wisse aber nicht, was die Ursache dafür sei.

Überlegt wird auch, analog zum Projekt "Check it!", bei dem Jugendliche Ecstasy-Tabletten testen lassen können, Heroin straffrei prüfen zu lassen. Dafür müssten rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, dass dafür kleine Mengen Heroin mitgeführt werden dürfen. Es sei besser, dies zu erlauben und damit Drogenkonsumenten davor zu bewahren, verunreinigtes Heroin zu spritzen. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2002)

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