"Nicht von Bürokraten niederschnetzeln lassen!"

2. September 2002, 16:43
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Unverständnis in der Theaterszene: Falk Richter, Thomas Ostermeier, Tom Stromberg

In der Theaterszene stieß der Rauswurf Marthalers, unter dessen Leitung das Schauspielhaus Zürich gerade zum zweiten Mal zum "Theater des Jahres" im deutschsprachigen Raum gewählt worden war, auf Unverständnis. Der in Zürich tätige Regisseur Falk Richter warf der Schweiz Zensur vor, und der Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, Tom Stromberg, appellierte an Marthaler und seine Chefdramaturgin Stefanie Carp: "Lieber Christoph, liebe Stefanie, lasst Euch nicht von Bürokraten niederschnetzeln!"

Rückschlag für die deutschsprachige Theaterszene

Für Thomas Ostermeier handelt es sich um einen großen Rückschlag für die deutschsprachige Theaterszene. "Natürlich steckt hinter dem Rausschmiss von Marthaler ein anderer Grund als Auslastungszahlen oder wirtschaftliche Probleme", sagte der Leiter der Berliner Schaubühne am Montag. "Das Ganze ist ein kultureller Backlash, der sich auch in Deutschland breit macht." Vorgeschoben würden in solchen Fällen immer ökonomische Gründe.

"Hinterhältigkeit des Vorgehens"

Am Schauspielhaus in Zürich herrschte am Montag Bestürzung über den Beschluss des Verwaltungsrates, den Marthaler und seine Chefdramaturgin Stefanie Carp erst am Montag in der Post vorfanden. "Was mich am meisten konsterniert und beleidigt, ist die Hinterhältigkeit des Vorgehens", zitiert der "Tages-Anzeiger" Marthaler weiter. Der Verwaltungsrat habe gewusst, dass er am Wochenende fort sei, und man habe für diesen Montag ein Treffen vereinbart. (APA/sda/dpa)

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