Gedämpfter Optimismus bei der AUA-Gruppe

2. September 2002, 18:58
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Verbesserte Eigenkapitalquote als Nahziel

Wien - Der Optimismus der AUA-Gruppe, die nach den Verlusten im Vorjahr im ersten Halbjahr 2002 ein positives Ergebnis präsentieren konnte, hat in den letzten Wochen einen Dämpfer erlitten. Wie Finanzvorstand Thomas Kleibl am Montag in einem Pressegespräch mitteilte, leide die extrem konjunkturabhängige Flugbranche besonders unter des weltweit verzögerten Wirtschaftsaufschwunges. Auch die angespannte politische Lage im Nahen Osten wirke belastend. Dazu kämen die nach wie vor bestehenden Überkapazitäten bei den traditionellen Fluglinien sowie die verstärkte Konkurrenz durch Billigflieger. Die Rahmenbedingungen des ersten Halbjahres ließen sich jedenfalls nicht extrapolieren.

Als großes Handikap für die AUA-Gruppe (AUA, Lauda Air, Tyrolean und Rheintalflug) erweist sich die - so Kleibl - "absolut unerträglich niedrige Eigenkapitalausstattung". Sie liege bei 13,2 Prozent und damit deutlich unter der angestrebten Quote von 30 Prozent. Eine Verbesserung dieser Situation durch eine Kapitalerhöhung kommt für Kleibl derzeit aber nicht in Frage. "Wir wollen kein Geld aufnehmen, bevor wir das Unternehmen nicht in Ordnung gebracht haben". Das sei nicht vor 2004 möglich.

Gearing äußerst ungünstig

Im internationalen Vergleich äußerst ungünstig ist das Gearing der AUA-Gruppe, also das Verhältnis Nettoverschuldung zu Eigenkapital. Bei langfristigen Verbindlichkeiten von 2,4 Mrd. Euro liege dieser Wert derzeit bei 303 Prozent, einschließlich der kurzfristigen Verbindlichkeiten von 1,1 Mrd. Euro sogar "weit über 400 Prozent", sagte Kleibl. Bis 2004 soll das Gearing auf unter 100 Prozent gedrückt werden.

Szenarien für den Fall eines Irak-Krieges hat die AUA bereits ausgearbeitet. Dieser würde für die gesamte Branche zwar einen weiteren Dämpfer bedeuten, wenn er das Ausmaß des Golfkrieges von vor elf Jahren nicht überschreite, wäre die Folgen aber zu bewältigen, meinte Kleibl. Anders bei "einem zweiten 11. September". "Ich weiß nicht, ob das gut gehen würde", mag sich Kleibl die Auswirkungen einer solchen Katastrophe gar nicht vorstellen. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 3.9.2002)

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