Weitere heimische Aktionärsgruppe erwünscht

2. September 2002, 14:03
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Raidl: Langfristiges Beteiligungsinteresse bei Palmers-Chef Humer außer Zweifel - Nächster ÖIAG-Aufsichtsrat am Freitag

Wien - Eine weitere private österreichische Aktionärsgruppe bei Böhler-Uddeholm wäre aus Sicht österreichischer Interessen zu begrüßen, stellte Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl am Montag vor Journalisten zum kolportierten Übernahmeinteresse von Palmers-Chef Rudolf Humer fest. Eine private Gruppe, die langfristige Interessen habe - "und daran zweifeln wir nicht", so Raidl, - wäre "in der Frage einer feindlichen Übernahme eine positive Sache". Allerdings sehe er bei Böhler-Uddeholm die Gefahr einer feindlichen Übernahme eher nicht gegeben.

Von Palmers-Chef Rudolf Humer gab es am Montag zu den Berichten im "profil, wonach er Interesse an dem 25-Prozent-Paket der ÖIAG an Böhler-Uddeholm , keine Stellungnahme.

Mehr Druck

Die Tatsache, dass ÖIAG über einen Sonderdividende einen Beitrag zur Entlastung des Budgetdefizits leisten soll, würde nach Ansicht von Beobachtern einem vorgezogenen Anteilsverkauf mehr Druck verleihen. Zum Verkauf soll auch die Bergbauholding stehen. Am kommenden Freitag steht eine nächste ÖIAG-Aufsichtsratssitzung auf dem Programm.

Um das ÖIAG-Paket erwerben zu können, müsste Humer allerdings seinen - dem Vernehmen nach rund ein Prozent betragenden - Anteil an der "Fries-Gruppe" verkaufen, sonst müsste allen Streubesitzaktionären ein Übernahmeangebot gemacht werden. Die Gruppe um den niederösterreichischen Anwalt Rudolf Fries und den Linzer Unternehmer Ernst Hable, die zusammen nach letzten Meldungen 25,1 Prozent (oder auch bereits mehr) an der Böhler-Uddeholm AG halten, hat ihre von drei Beteiligungsfirmen (BU Industrie Holding GmbH, Techno Holding AG, BUB Beteiligungs GmbH) erworbenen Aktienpakete als verbunden bezeichnet und agiert auch dem entsprechend. Die "Fries-Gruppe" ist im Böhler-Uddeholm-Aufsichtsrat seit Mitte Mai 2002 mit zwei Mandaten vertreten.

45,3 Prozent der Böhler-Uddeholm-Anteile notieren im Streubesitz an der Wiener Börse. Die restlichen 4,6 Prozent entstammen einem abgeschlossenen Aktienrückkaufprogramm von Böhler-Uddeholm, an dem 58 Führungskräfte teilnehmen und für das 504.900 Aktien für Stock-options reserviert sind. Die Stock-options können in zwei Jahren zum derzeit aktuellen Kurs eingelöst werden, falls der Böhler-Kurs dann über jenem eines internationalen "Steel-Basket" liegt. Pro erworbener Aktie kann ein Böhler-Uddeholm-Manager dann bis zu 20 Optionen einlösen.

"Hauptversammlungsbeschlüsse" genügen

Auf Grund bisheriger Ankündigungen von Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) sollte die ÖIAG ihre Restbeteiligungen (neben Böhler-Uddeholm noch voestalpine, VA Tech, AUA, OMV und Österreichische Bergbauholding) bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode (2003 bis 2007) verkaufen und aufgelöste werden. Die laut Regierungsübereinkommen vorgesehenen Privatisierungen hat die ÖIAG - ausgenommen die Telekom Austria - für diese Legislaturperiode bereits abgehakt. Für darüber hinaus gehende Privatisierungen der obgenannten Firmen genügen "Hauptversammlungsbeschlüsse" mit Grasser als Vertreter des 100-Prozent-Eigners Republik Österreich. (APA)

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