WAZ-Einstieg bei Springer wäre ein Fall für Wettbewerbshüter

2. September 2002, 14:04
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Bundeskartellamt: 40 Prozent Anteil wäre anzumelden

Ein Einstieg der WAZ-Mediengruppe beim Axel Springer Verlag würde von den Wettbewerbshütern ins Visier genommen. Das hat das Bundeskartellamt am Montag in Bonn erklärt. Sollte die WAZ-Gruppe das Springer-Paket von Filmhändler Leo Kirch übernehmen wollen, müsse das Kartellamt prüfen, ob eine Markt beherrschende Stellung entstehe oder verstärkt werde. Ein 40-Prozent-Anteil wäre anzumelden. "Es ist aber noch kein Fall für uns. Es liegt noch keine Anmeldung vor", sagte ein Sprecher der Behörde.

Scharfer Angriff

Unterdessen hat die WAZ-Gruppe das Management des Springer-Konzerns scharf angegriffen. "Es ist sehr leichtfertig, wenn Vorstände es rundheraus ablehnen, eine Möglichkeit auszuloten, die die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens verbessern kann", sagte Lutz Glandt, einer von vier gleichberechtigten WAZ- Geschäftsführern, der "Financial Times Deutschland" (Montagsausgabe). Glandt warf dem Springer-Vorstand vor, damit gesetzwidrig zu handeln: "Das Aktiengesetz verbietet dem Vorstand, eine Option nicht zu prüfen, die den Unternehmenswert erhöhen kann. Das missachtet die freien Aktionäre."

Rechtsexperten beauftragt

Die Absicht der WAZ, das 40-Prozent-Paket an Springer von Kirch zu kaufen, hängt laut dem Bericht von der juristischen Prüfung ab. Die WAZ-Gruppe habe Rechtsexperten mit Gutachten beauftragt, um die kartellrechtlichen Chancen zu bewerten. "Wir arbeiten an Modellen, publizistische und wirtschaftliche Verantwortung zu trennen", sagte Glandt zu Befürchtungen von Chefredakteuren der Springer-Zeitungen, der Konzern wolle Einfluss nehmen. "Wir möchten alle Springer- Chefredakteure einladen, mit dem Zug in der zweiten Klasse auf unsere Kosten nach Essen zu fahren und sich von unseren Chefredakteuren anzuhören, wie unabhängig sie vom Einfluss des Verlages arbeiten."

Ein Bericht des Berliner "Tagesspiegels"(Samstagsausgabe), die WAZ sei bereit, dem Medienunternehmer Rupert Murdoch beim Springerpaket bei Zahlung von 140 Millionen Euro an die WAZ den Vortritt zu lassen, wird von der WAZ strikt zurück gewiesen. Nach Darstellung des Blattes, das Verhandlungskreise als Quelle angab, sind die 140 Millionen Euro die Differenz zwischen einem Murdoch-Gebot in Höhe von 1,1 Milliarden Euro und einem WAZ-Gebot in Höhe von 960 Millionen Euro. Der WAZ-Sprecher betonte, solchen Spekulationen fehle jede Grundlage. In Branchenkreisen wird das angebliche Mitbieten von Murdoch als gezielt gestreutes Gerücht angesehen, mit dem der Kaufpreis in die Höhe getrieben werden soll. (APA/dpa)

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