Telekom startet Internet-Fernsehen "jet2web.tv" im Feldversuch

2. September 2002, 12:36
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Ziel: Konkurrenz zum Fernsehen

Die Telekom Austria (TA) startet im Rahmen eines EU-Projekts im Herbst einen Feldversuch mit Fernsehen via Internet. 1.500 bis 2.000 ADSL-Kunden der Telekom werden in den nächsten drei Monaten "jet2web.tv", ein kostenpflichtiges Online-Videoabrufsystem, testen, bestätigte Michael Fried, Leiter des Bereichs Internet/Media bei der TA, am Montag auf APA-Anfrage. Stellt sich das Angebot als erfolgsversprechend heraus, soll bereits im nächsten Jahr mit der kommerziellen Vermarktung gestartet werden.

Rund 1 Million Euro investiert

Die 66-prozentige TA-Tochter IVS Interaktive Video Services hat laut Geschäftsführer Klemens Überreiter bereits rund 1 Mill. Euro in die Entwicklung einer Video-Plattform investiert. Ein Online-Video-Archiv für Schulen, das die IVS gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium entwickelt hat und zur Zeit 130 Stunden Lehrfilmmaterial umfasst, läuft bereits.

Die TA will via Internet unter anderem Nachrichten, Sport und Kinofilm-Vorschauen anbieten. Als Partner hat die TA bereits etwa den ORF, Eurosport oder webfreetv gewonnen. Richtige "Blockbuster" sind derzeit noch nicht im Programm. Neue Partner werden aber weiter gesucht. "Ziel ist es, die Konvergenz zwischen Fernsehen und PC herzustellen und langfristig dem traditionellen Fernsehen Konkurrenz machen", so Fried weiter.

Nicht kostenlos

Das Angebot wird allerdings etwas kosten: Geplant sei eine monatliche Fixgebühr von fünf bis zehn Euro für ein Paket - etwa für tägliche Sportnachrichten. Aber auch eine Verrechnung pro Film wird es geben, betonte Fried.

Was die Qualität des neuen Internetfernsehens betrifft, soll die Technologie mit herkömmlichem Fernsehen durchaus mithalten. "Bei der derzeitigen Übertragungsrate eines herkömmlichen ADSL-Anschlusses (Anm.: 512 Kilobit pro Sekunde) ist die Qualität besser als bei einem VHS-Video. Bei einer Übertragungsrate von 1 Megabit erreicht man schon DVD-Qualität", erklärt Überreiter.

Kern der Entwicklung ist das US-Video-System Virage, laut IVS Marktführer in diesem Bereich. Zusätzlich zum herkömmlichen Fernsehen bietet diese neue Internet-Videotechnik auch ein vollständiges Transkript des Videotextes. Dadurch kann der Benutzer im Video wie in einem Text nach Begriffen suchen. Klickt er dann im Transkript auf die gesuchte Stelle, springt das Video genau an diesen Punkt.

Auf der Ifabo

Präsentiert werden soll das neue System auf der Wiener IT-Fachmesse Ifabo Mitte des Monats. Dass neben der Telekom Austria auch andere Telekom-Betreiber in den Bereich des Internet-Fernsehens einsteigen könnten, schließt IVS-Chef Überreiter nicht aus. "Wir sind auch für Kooperation mit anderen Telekom-Betreibern offen", sagte Überreiter zur APA.

Derzeit nutzen neben den heimischen Schulen bereits auch Politik und Unternehmen die neue Technologie. Im deutschen Wahlkampf wird das System der IVS etwa von der CDU verwendet. Auch in Österreich gibt es Gespräche mit Parteien. Grundsätzlich will man sich aber vor allem auf den Corporate-Bereich konzentrieren, wo das Videosystem für Pressekonferenzen, Online-Schulungsprogramme oder Besprechungen via Internet verwendet werden kann.

Derzeit schreibt die IVS noch keine Gewinne, Mitte nächsten Jahres will das Unternehmen aber den Turn-Around schaffen. Neben der TA (66 Prozent) ist auch die burgenländische X-Art-Studios-Film- und Schallplattenproduktions GmbH zu rund 33 Prozent an der IVS beteiligt.(APA)

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