"Grundlegendes Menschenrecht verwehrt"

2. September 2002, 13:20
21 Postings

ÖH und Grüne Frauen: "Systematischer Terror" durch AbtreibungsgegnerInnen

Wien - Unter dem Motto "Ride for Life for the Right to Life" radelten im August zahlreiche AbtreibungsgegnerInnen aus mehreren europäischen Ländern zwei Wochen lang 800 Kilometer quer durch Österreich. Dabei wollten sie der Gesellschaft ihre Botschaft mitteilen, "dass Abtreibung für sie Tötung ist". Organisiert wurde dies von "Jugend für das Leben".

Die Abschlusskundgebung wurde mit Unterstützung des Salzburger Weihbischofs Andreas Laun in Wien am Stephansplatz gehalten. Zahlreiche Frauenorganisationen, allen voran das Aktionskomitee für das Selbstbestimmungsrecht der Frau sowie die Grünen Frauen, und die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hatten zur Gegenkundgebung aufgerufen.

"Reduktion der Frau auf ihre rein biologische Funktion"

Die berüchtigte Organisation versucht mit ihren Einschüchterungsmethoden auf rechtlicher und sozial-psychischer Ebene ein generelles Abtreibungsverbot zu erzwingen, erklärte die Österreichische HochschülerInnenschaft in einer Aussendung. Die ÖH sieht diese Forderung als Reduktion der Frau auf ihre rein biologische Funktion und als Untermauerung der noch immer vorherrschenden patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Die Fristenregelung (Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 12 Wochen) war eine Antwort seitens des Gesetzgebers auf die feministische Forderung der 70er Jahre "Mein Bauch gehört mir". Eine Abschaffung dieser Regelung würde einen gewaltigen Rückschritt für die Frauenbewegung bedeuten.

"Kinderlosigkeit bedeutet keine Wertminderung der Frau. Durch das generelle Abtreibungsverbot wird die Entscheidung der Frau über ihr weiteres Leben in den Rang des Strafgesetzbuches gehoben. Das erinnert sehr stark an die NS-Gesetzgebung, wo Frauen zu Gebärmaschinen degradiert wurden", erklärte ÖH-Vorsitzende Andrea Mautz. In Ländern mit liberalisierten Abtreibungsgesetzen treten statistisch gesehen bei weitem weniger gesundheitliche Schäden und Todesunfälle bei Abtreibungen auf, was eine Gegenöffentlichkeit zu Aktionen wie von "pro life" umso dringender und wichtiger macht.

Jährlich sterben weltweit 600 000 Frauen an den Folgen von Schwangerschaften und Geburten, hingegen liegt diese Zahl bei Abtreibungen und ihren Folgen bei ca. 78 000. "Die christlich- fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen sprechen der Frau das Recht auf Selbstbestimmung ab und verwehren dadurch den Frauen ein grundlegendes Menschenrecht. Die Frau ist keine Sklavin der Evolution", zeigte sich ÖH-Vorsitzende Anita Weinberger indigniert.

"Systematischer Terror"

Seit Jahren werden in Wien Frauen, die Hilfe oder Rat in einer der beiden privaten Abtreibungskliniken suchen, "systematisch terrorisiert", so die Grünen Frauen in ihrer Aussendung. "Militante AbtreibungsgegnerInnen von Human Life Österreich wollen den Frauen die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper absprechen und sie bei der Suche nach einer legalen Lösung in einer schwierigen Situation behindern. Human Life Österreich ist ein Zweig von Human Life International, einer reaktionären katholischen Organisation mit Basis in den USA, die sich radikal und auf aggressive militante Weise gegen Sexualaufklärung, Empfängnisverhütung, außerehelichen (z. B. homosexuellen) Geschlechtsverkehr und Abtreibung wendet. In den USA hat die Aggression dieser FanatikerInnen sogar schon zu Morden geführt."

Monika Vana, die Frauensprecherin der Wiener Grünen, erklärte weiter: "Diese Art von pseudoreligiösem Fanatismus, egal von welcher Religion er ausgeht und von welchen "Würdenträgern" er unterstützt wird, stellt eine Bedrohung für Demokratie, Menschen- und ganz besonders für Frauenrechte dar. Daher setzen wir uns vehement dagegen zur Wehr."

Die Grünen Frauen Wien fordern unter anderem die Abtreibung als Frauenrecht, strafrechtliche Konsequenzen für Belästigung und eine Bannmeile für Abtreibungskliniken, die Möglichkeit der Abtreibung in allen öffentlichen Krankenhäusern sowie Verhütung und Abtreibung auf Krankenschein. (red)

Share if you care.