VW regelt Verträge mit Händlern neu

2. September 2002, 16:09
posten

Europas größter Autokonzern bereitet sich auf Liberalisierung des Automarktes vor - Kündigungen auch in Österreich

Wien/Wolfsburg - Europas größter Autokonzern Volkswagen will die Verträge mit seinen EU-weit 7.000 Händlern und Werkstätten neu regeln und bereitet sich damit auf die Liberalisierung des europäischen Automarktes vor. Auch in Österreich werden in den nächsten Tagen mehrere hundert Händler und Werkstätten von VW-Konzernmarken die Kündigung ihrer bestehenden Verträge bekommen, bestätigte Generalimporteur Porsche Austria am Montag. Es handle sich dabei aber um einen "Formalakt, weil die neuen Verträge auf die neue Gruppenfreistellungsverordnung abgestimmt werden müssen." Den Schreiben sei ein "Letter of Intent" beigelegt, dass der Konzern mit dem Händler weitern zusammen arbeiten wolle, so Hermann Becker, Sprecher der Porsche Holding. Die Kündigungen würden nicht zu einer Strukturbereinigung im Händlernetz genutzt, "unsere Absicht ist, dass wir mit allen unsere Geschäftsbeziehung fortsetzen."

In die neuen Verträge müssten die Überleitungsbestimmungen der EU-Kommission und die von den Herstellern definierten Standards einfließen. "Wahrscheinlich bis Jahresende" werde der Text der neuen Verträge vorliegen, meinte Becker. Die Kündigung der alten Vereinbarungen wird mit 30. September 2003 rechtswirksam.

Von den Vertragsänderungen sind in Österreich bei VW 136 Händler und Filialen und weitere 136 Werkstätten betroffen, bei Audi sind es 123 Händler und 129 subhändler. Bei der Marke Seat gibt es die Kündigung für insgesamt 93 Händler, Filialen und Werkstätten, bei Skoda beläuft sich diese Zahl in Österreich auf 94.

Liberalisierung des Automarktes

Die EU-Kommission hatte nach langer Diskussion und heftigem Widerstand unter anderem aus Deutschland im Juli eine umfassende Liberalisierung des Automarktes beschlossen. Dadurch sollen Autohersteller zur Öffnung ihrer Händlernetze bewegt und der grenzüberschreitende Autohandel erleichtert werden. Händler sollen nicht wie bisher gezwungen werden, nur eine Automarke in ihren Häusern zu vertreiben. Die nach einer Übergangsfrist von einem Jahr geltenden Regeln umfassen sowohl den Autovertrieb als auch Reparatur und Wartung. Der Gebietsschutz für Autohändler soll erst 2005 aufgehoben werden.

Ziel der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) ist es, den Wettbewerb in Europa zu erhöhen und die teils hohen Preisunterschiede für Fahrzeuge zwischen einzelnen EU-Ländern zu beseitigen. Unklar ist nach Ansicht von Experten allerdings noch, ob Autos dadurch für die Verbraucher günstiger werden. (APA/Reuters)

Link

Volkswagen

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.