Streit um Streichung einer Berlusconi-kritischen TV-Polit-Show

2. September 2002, 10:22
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Italienische Journalistengewerkschaft geht auf die Barrikaden

Die italienische Journalistengewerkschaft hat das Kriegsbeil gegen den Beschluss des Staatsfernsehens RAI ausgegraben, die bekannte Polit-Show "Sciuscia" mit dem Starjournalisten Michele Santoro aus dem Programm zu streichen. Santoro hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Kritik an Ministerpräsident Silvio Berlusconi geübt. RAI-Chef Antonio Baldassarre hatte die Streichung der Sendung mit den hohen Kosten des Programms gerechtfertigt, die sich das Staatsfernsehen in dieser Phase strenger Sparpolitik nicht leisten könne.

"Gefährlicher Präzedenzfall"

Die italienische Journalistengewerkschaft sprach von einem "gefährlichen Präzedenzfall". Berlusconi hatte Santoro bereits mehrmals vorgeworfen, seinen Einfluss in dem öffentlich-rechtlichen Sender für eigene politische Zwecke zu missbrauchen. Santoros Sendungen hätte ihm bei den Wahlen im Vorjahr Millionen Stimmen gekostet, hatte Berlusconi behauptet.

"Berlusconis Regierung ähnelt immer mehr einem Regime", betonten Sprecher der Mitte-Links-Allianz, die von einem "gravierenden Anschlag auf die Meinungsfreiheit in Italien" sprachen. Intellektuelle, Parlamentarier und Journalisten starteten eine Unterschriftensammlung, um Santoro ihre Solidarität zu bekunden.

Bereitschaft ohne Gehalt zu arbeiten

Der Starjournalist zeigte sich bereit, gratis für seine Sendung zu arbeiten. "Wenn es eine Frage des Geldes ist, wie RAI behauptet, bin ich bereit, ohne Gehalt zu arbeiten. "'Sciuscia' kostet pro Sendung 180.000 Euro, bringt aber 300.000 Euro an Werbeeinnahmen ein, da das Programm sehr hohe Einschaltquoten hat", sagte Santoro. (APA)

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