GAK-Präsident Roth im STANDARD-Interview

4. September 2002, 13:43
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"Mein Vorbild ist Manchester United"

Wien/Graz - Die Usancen der Austria zeigen, unter welchem finanziellen Druck Österreichs Fußballklubs der obersten Spielklasse stehen. Der GAK, bis vor kurzem vom nunmehrigen Austria-Sportdirektor Peter Svetits geführt, zeigt als Ex-Titelaspirant und Mittelklasseläufer (0:1 bei Ried! Achter Platz!!) sportliche Ermüdungsrisse und budgetäre Lücken. GAK-Präsident Rudolf Roth erklärt im Interview mit dem STANDARD Maßnahmen und Schwierigkeiten.

Standard: Herr Roth, hätten Sie die rund 3,5 Millionen Euro aus der Champions League zum Überleben gebraucht?

Roth: Sehr dringend. Obwohl wir nicht damit kalkuliert haben. Die Zukunft des Vereins wird anders gesichert. Am 1. 10. startet die GAK-AG mit einem neuen Geschäftsführer. Am 1. September hat ja die Marketing-GmbH, an der die Styria 66 Prozent hält und der Verein 34 Prozent, ihre Arbeit aufgenommen. Zielsumme: fünf Millionen Euro pro Jahr.

STANDARD: Seit einiger Zeit tauchen Altlasten aus der Zeit des Peter Svetits auf. Warum haben Sie sich nicht gegen Eventualitäten abgesichert?

Roth: Peter Svetits hat in schwieriger Zeit den GAK gut geführt, ich will auch keine Schmutzwäsche öffentlich waschen. Wir werden das erledigen und überleben. Ich wollte mit ihm binnen zwei Jahren den Verein sanieren, dabei hat er mich im Stich gelassen. Aber die großen Probleme liegen woanders. Den Verein gibt's seit 100 Jahren, bis vor kurzem hatte er nicht einmal einen Trainingsplatz.

STANDARD: Wenn Sie den GAK noch so professionell führen, Sie werden kaum Geld verdienen. Wozu das alles?

Roth: Ich habe beim GAK sieben Jahre lang als Profitormann gespielt, mein Herz hängt daran. Das Land Steiermark und die Stadt Graz helfen uns mit je zehn Millionen Schilling bei der Akademie, beim 90-Millionen-Projekt Trainingszentrum mit je 30. Der dritte Schwerpunkt war die 100-Jahr-Feier mit dem Spiel gegen Real. Der vierte ist die wirtschaftliche Gesundung. Meine Firma macht rund vier Milliarden Schilling Umsatz im Jahr, mein Vorbild ist Manchester United.

STANDARD: Hilft die Abhängigkeit von Frank Stronach, oder ist sie hinderlich?

Roth: Ich stehe voll hinter ihm, aber er muss mehr Geld für die Liga auftreiben, das sag' ich ihm jedes Mal. Wenn wir nur statt sieben Millionen jeweils 14 Millionen vom Fernsehen bekämen. Und die Regierung sollte sich zum Fußball bekennen und pro Verein 20 Millionen für die Akademien springen lassen. Das könnte unser Nachwuchsproblem lösen helfen.

STANDARD: Stört Sie Stronachs erratischer Stil nicht?

Roth: Seit er bei der Austria ist, ist kein Schilling mehr von ihm geflossen. Er müsste sich mehr einbringen, wir brauchen ein Sportgesetz, wir brauchen eine steuerliche Entlastung, wir leisten rund 40 Millionen Schilling an Abgaben jährlich! Obwohl wir seit fünf Jahren keine Preise adaptiert haben, leiden wir unter Zuschauerrückgang. In den letzten zwei Jahren haben wir unser Sponsoraufkommen verdoppelt, aber die Konjunktur hilft einem auch nicht. (josko, DER STANDARD, Printausgabe 2.9.2002)

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  • "Den Verein gibt's seit 100 Jahren, bis vor kurzem hatte er nicht einmal einen Trainingsplatz."

    "Den Verein gibt's seit 100 Jahren, bis vor kurzem hatte er nicht einmal einen Trainingsplatz."

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