Gewinndelle im Halbjahr

2. September 2002, 14:06
posten

Ergebnis um gut ein Fünftel gesunken - Edelstahlkonzern stellt sich auf kältere Zeiten ein - Spürbare Verbesserung erst für 2003 erwartet

Wien - Beim Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm stellt man sich nach dem rückläufigen ersten Halbjahr 2002 auch für die nächste Zeit auf ein kälteres Konjunkturklima ein. "Das heurige Jahr wird schwieriger als 2001", sagte Konzernchef Claus Raidl am Montag auf der Halbjahrespresskonferenz. 2001 war allerdings das bisher beste Jahr in der zehnjährigen Geschichte von Böhler-Uddeholm. Mit einem Betriebsergebnis (EBIT) zwischen 100 und 110 Mill. Euro ("wir hoffen eher gegen 110 Millionen", so Raidl) soll das Ergebnis nahe dem Jahr 1998 (113,1 Mill. Euro) ausfallen, was für ein schwaches Geschäftsjahr noch "ambitioniert" wäre.

Ergebnis um ein Fünftel gesunken

Bereits in den vergangenen Monaten habe sich Böhler-Uddeholm auf die schwächeren Auftragsrückgänge eingestellt, die zum Halbjahr um 17 Prozent auf 504,5 (611,5) Mill. Euro zurückgegangen sind und das Betriebsergebnis (EBIT) um 22 Prozent auf 55,6 (71,5) Mill. Euro nach unten gedrückt haben. Die Investitionen wurden im ersten Halbjahr auf 40 (63) Mill. Euro zurückgenommen und werden auch im Gesamtjahr 2002 mit 110 (140) Mill. Euro unter dem Vorjahr liegen. Die Personalkapazitäten wurden zuerst durch Überstunden, dann bei den Leiharbeitern reduziert, auch bei der Stammbelegschaft wurden Schichten eingespart, sodass sich der Personalstand in allen Produktionsgesellschaften (Schweden, Österreich, Deutschland) um insgesamt 100 verringerte. Dass der Mitarbeiterstand im Konzern auf 9.358 (9.260) im ersten Halbjahr zugenommen hat, ist auf Akquisitionen im Vertriebsbereich in Asien zurückzuführen.

Flexible Arbeitszeitmodelle

In nächster Zeit will Böhler-Uddeholm laut Raidl auch mit flexiblen Arbeitszeitmodellen über den Sommer und den Herbst kommen. Wie die weitere Entwicklung für das Gesamtjahr aussehen werde, sollen die Ergebnisse der Monate September und Oktober zeigen, da die erfahrungsgemäß schwachen Sommermonate zu wenig Aussagekraft hätten. Raidl rechnet jedenfalls mit neuen Wachstumsimpulsen "höchstens in der zweiten Jahreshälfte 2003".

Teils im Zusammenhang mit dem (noch nicht endverhandelten) Eurofighter-Auftrag könnte Böhler-Uddeholm Aufträge für Flugzeugschmiedeteile bekommen, wofür im steirischen Hauptwerk Kapfenberg drei Spindelpressen um zusammen 25 Mill. Euro angeschafft würden. Die Entscheidung für die Investition steht aber noch aus.

Wachstumsimpulse nicht in Sicht

Von den USA erwartet Raidl keinen Konjunkturimpuls für die nächste Zeit. Der Markt sei mit Gebrauchsgütern gesättigt, Produkte mit wesentlichen Wachstumsimpulsen seien nicht in Sicht. "Und die Leute, die noch was brauchen würden, haben nicht das Geld." Auch von Nischenmärkten wie der Elektronikindustrie sei keine Belebung zu erwarten. Böhler-Uddeholm spüre besonders den Bestellrückgang der Flugzeugindustrie sowie auch von der durch den Enron-Skandal gebeutelten Energietechnik, traditionellen Marktfeldern für Lieferungen von Turbinenteilen.

"Wir werden mit dem Bonus sicher atmen"

Finanzchef Horst Königslehner erklärte mit der Dollarabwertung auch die vom langfristigen Zielwert 39 Prozent vorübergehend auf 38 Prozent gesunkene Eigenkapitalquote. Auf das Ergebnis habe sich der Dollarkurs auf Grund von Währungsabsicherungen nicht ausgewirkt, obwohl Böhler-Uddeholm einen Großteil seiner Lieferungen in den Dollarraum tätigt. Dass die Verbindlichkeiten im Jahresabstand auf 654,4 (614,1) Mill. Euro gestiegen sind, resultiere aus der Dividendenausschüttung von 30 Mill. Euro für 2001. Für heuer sei der Dividendenbonus von 70 Cent (auf 2 Euro Basisdividende) sicher nicht zu erwarten, "wir werden mit dem Bonus sicher atmen", sagte Raidl. Für 2000 hatte Böhler-Uddeholm einen Bonus von 50 Cent (auf 2 Euro Basisdividende) ausgeschüttet. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Will mit flexiblen Arbeitszeitmodellen über den Sommer und Herbst kommen: Böhler-Chef Claus Raidl.

Share if you care.