"Ein Kampfjet sind 20.000 Plätze"

2. September 2002, 13:12
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Österreich Schlusslicht bei Kleinkinderbetreuung: SPÖ-Frauen fordern Initiativen

Wien - Die Bundesfrauensekretärin der SPÖ, Bettina Stadlbauer, hat der Regierung am Montag vorgeworfen, falsche Prioritäten zu setzen. Um die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern, sei der Flächen deckende Ausbau der Kinderbetreuungsplätze vor allem für Zwei- bis Dreijährige notwendig. Stadlbauers Rechnung lautet: "Ein Kampfjet sind 20.000 Betreuungsplätze". Die Kinderfreunde vermissen "tausende Hortplätze".

Regierung setzt falsche Prioritäten

Stadlbauer sieht sich durch die jüngsten Aussagen der Arbeiterkammer bestätigt. Diese hatte die Situation von Zwei- bis Dreijährigen als "alarmierend" bezeichnet und mehr Initiativen gefordert. Insgesamt würden 100.000 Kinderbetreuungsplätze in Österreich fehlen, erinnerte Stadlbauer in einer Aussendung heute. Mit der Investition von 90 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren könnte man dieses Manko ausgleichen. "Die blau-schwarze Regierung dürfte aber an einem Ausbau der Kinderbetreuungsplätze nicht interessiert sein, denn sie setzt eindeutig die falschen Prioritäten", unterstrich Stadlbauer in Anspielung auf den Ankauf von Kampfjets.

Die Frage der steuerlichen Absetzbarkeit von Kinderbetreuung stelle sich zur Zeit nicht, solange die nötigen Kinderbetreuungsplätze fehlten, sagte die SPÖ-Bundesfrauensekretärin bezüglich eines entsprechenden Vorschlags der ÖVP.

Westen benachteiligt

Großen Nachholbedarf an Hortplätzen, besonders für Kinder im ländlichen Raum, sieht die SP-Abg. Gabi Binder, Familiensprecherin der Kinderfreunde. Die totale Auslastung der Hortplätze in Ballungszentren zeige, dass der Bedarf vorhanden sei, meinte sie in einer Aussendung. Jedes Kind in Wien finde in unmittelbarer Nähe einen Hortplatz, im Westen Österreichs allerdings seien Betreuungseinrichtungen für nachmittags oft mehr als 100 Kilometer entfernt. (APA)

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