Sechs Männer für Gruppen-
Vergewaltigung mit dem Tod bestraft

2. September 2002, 14:14
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Pakistanisches Dorfgericht hatte die Tat als Strafe für Frau angeordnet

Multan - Ein pakistanisches Gericht hat am Sonntag sechs Männer im Zusammenhang mit der Vergewaltigung einer Frau zum Tode verurteilt. Ein Dorfgericht hatte die Tat angeordnet.

Opfer begrüßt Urteil

Die vier Vergewaltiger und zwei Dorfrichter seien zum Tode verurteilt worden, sagte Verteidiger Mohammad Yaqub. Acht weitere angeklagte Beisitzer des Gerichts seien von dem Anti-Terror-Gericht in Dera Ghazi Khan freigesprochen worden. Die Verteidigung kündigte Berufung an. Die Tat hatte sich in einer abgelegenen Region der Provinz Punjab ereignet. Das Opfer, die 30-jährige Mukhtaran Mai, war nicht im Gerichtssaal anwesend, begrüßte aber später das Urteil.

Verbreitet Praxis der Bestrafung

Der Fall hat in Pakistan großes Aufsehen erregt, da er ein Schlaglicht auf eine in Teilen des Landes noch verbreitete Praxis von Familien wirft, Frauen als Bestrafung zu vergewaltigen oder zur Wiederherstellung der Familienehre zu töten. Die pakistanische Menschenrechtskommission schätzt, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. Alle zwei Stunden werde eine Frau vergewaltigt. Vor allem in der Provinz Punjab seien Gruppenvergewaltigungen nicht selten.

Mai hatte am Freitag erklärt, Angehörige ihrer Familie seien mit dem Tode bedroht worden, falls die Angeklagten verurteilt würden. Nach dem Urteil sagte sie: "Durch Gott ist mir Gerechtigkeit widerfahren". Das Urteil werde hoffentlich andere Gerichte ermutigen, ebenfalls gegen Gruppenvergewaltiger vorzugehen.

Mai hatte ausgesagt, sie sei vergewaltigt worden, als sie vor einem Dorfgericht wegen eines Familienstreits erschienen war. Die Frau berichtete, sie habe vor den Richtern um die Freilassung ihres zwölfjährigen Bruders gebeten. Der sei von Mitgliedern einer einflussreichen und sozial höher stehenden Familie entführt und sexuell missbraucht worden, weil er ein Verhältnis mit einem Mädchen dieser Familie gehabt haben soll.

Als sie sich geweigert habe, zur Beilegung der Familienfehde einen Mann aus der einflussreichen Familie zu heiraten, sei sie mit Billigung des Dorfgerichts von vier Männern vergewaltigt worden. Schließlich sei sie halb nackt vor den Augen Hunderter Menschen durch die Straßen getrieben worden.

Anti-Terror-Gerichte waren 1997 in Pakistan eigens geschaffen worden, um über besonders abstoßende Verbrechen zu urteilen. Sie verhandeln hinter verschlossenen Türen und meist in sehr kurzen Verfahren. Die Todesstrafe wird in Pakistan üblicherweise durch Erhängen vollstreckt. (APA/Reuters)

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