Kein Platz für Prostata

16. September 2002, 21:11
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TV-Tagebuch über GynäkologinnenTalkshow und hübsche schizophrene Frauen

"Ich bin immer auf der Suche nach Feldern, die im Fernsehen noch niemand beackert hat. Der Alltag in einer psychiatrischen Klinik gehört dazu." Der Fernsehproduzent Marc Conrad sprach kürzlich gegenüber TV-Spielfilm einen großen Satz gelassen aus. Wieso also immer nur Götter in Weiß zeigen? Die Zwangsjacke hat auch ihre Reize. Und so bringt Sat.1 ab 12. 9. "Die Anstalt - Zurück ins Leben". Fiktive Szenen aus dem Innenleben einer Nervenklinik.

Keine Angst: "Kinderschänder haben bei uns keinen Platz", versicherte Conrad. Bei ihm sind schizophrene Frauen hübsch und haben "das Zeug zum Publikumsliebling".

Man muss die Programmmacher ja verstehen: Angesichts der kurzen Lebenszeit von Trends (Reality-TV, Quizshows) versuchen sie, neue Ideen zu finden, um die Zuschauer bei Laune zu halten. Das wenigstens kann man ihnen nicht verübeln . . . Auch den ständigen Blick auf die Aktivitäten der lieben Konkurrenz nicht. Ein Beispiel: RTL macht Gerichtsshows, also versucht es Pro Sieben mit einer GynäkologinnenTalkshow. Ist ja irgendwie logisch, oder? Die Ärztin "Dr. Verena Breitenbach" wird ab 14. 10. ordinieren. Und ihren Rat wirklich leidenden Paaren geben, wenn etwa Sexstreik während der Schwangerschaft droht.

Laut Spiegel verzichtet man auf die Behandlung aussichtsloser chronischer Erkrankungen und von Prostataproblemen. Wie bei Sat.1 nimmt man also Rücksicht auf den Gemütszustand der ZuschauerInnen. Sind sie nicht nett, die ProgrammmacherInnen? (pi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.9. 2002)

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