Gewinner und Verlierer

2. September 2002, 08:42
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Die neue Weltordnung nach Bushs Formel: "Mit uns oder gegen uns"

Washington - Mit seiner Formel "Mit uns oder gegen uns" hat US-Präsident George W. Bush nach dem 11. September die Welt in Gut und Böse eingeteilt. Ein Jahr nach den Anschlägen stehen Gewinner und Verlierer des Anti-Terrorkriegs fest.

Die Verlierer: Der Zorn der USA traf vor allem die radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Die Koranschüler wurden von der Macht vertrieben und werden gejagt. Der Anführer des mutmaßlichen Terrornetzwerks El Kaida, Osama bin Laden, und Talibanchef Mullah Omar blieben jedoch unauffindbar.

Die von Bush als "Achse des Bösen" bezeichneten Länder Iran, Irak und Nordkorea könnten das nächste Ziel eines US-Angriffs sein. Washington nahm vor allem den Irak ins Visier einer möglichen "Phase II" des Anti-Terror-Kampfes.

Palästinenserpräsident Yasser Arafat fiel in der Gunst Washingtons. Die USA werfen ihm vor, nicht genug gegen radikale Palästinenserorganisationen zu unternehmen. Bush forderte seine Abwahl.

Die Gewinner: Der russische Präsident Wladimir Putin steht bei Bush hoch im Ansehen: Als Meilenstein der russisch-amerikanischen Annäherung gilt der jüngste Abrüstungsvertrag. Moskaus Anbindung an die NATO wurde von Washington stark unterstützt. Über den Tschetschenien-Feldzug herrscht dagegen Schweigen.

Großbritannien wird von den USA als einziger wirklich vertrauenswürdiger Mitstreiter geschätzt. Die Regierung von Premierminister Tony Blair wurde von Anfang an in die Planung des Afghanistan-Einsatzes miteinbezogen.

Indien, Usbekistan und die Philippinen werden von Washington im Kampf gegen islamistische Gruppen unterstützt. Die Beziehungen mit China entspannten sich.

Die Beobachteten: Der pakistanische Staatschef Pervez Musharraf stieg durch seine Unterstützung der USA im Anti-Terrorkrieg wieder in der Gunst Washingtons. Die USA beobachten jedoch genau, was Islamabad gegen Extremisten unternimmt.

Noch gilt Saudiarabien als Verbündeter. In Washington mehren sich jedoch die Stimmen, die dem Königreich die finanzielle Unterstützung von Terroristen vorwerfen. Außerdem kreiden die USA Riad an, dass es sich gegen einen möglichen Krieg gegen den Irak stemmt.

Die Vergessenen: Die NATO konnte aus ihrer bedingungslosen Unterstützung der USA nach den Anschlägen keinen Profit schlagen. Die übrigen europäischen Verbündeten waren plötzlich ausgeschlossen, während Großbritannien mit am Tisch saß. Lateinamerika und Afrika wurden seither ebenso vernachlässigt. (APA)

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