Friedensboten aus Versehen

2. September 2002, 09:53
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Das israelisch-pakistanische Doppel Hadad/Qureshi ist ausgeschieden, das scheint aber nicht das Entscheidende zu sein

New York - "Wir sind nicht als Tennisspieler berühmt, sondern als Jude und als Muslim. Das ist das Einzige, was mir daran nicht gefällt", sagt Aisam-Ul-Haq Qureshi. "Wir sind fast so begehrt wie Agassi und Sampras", sagt Amir Hadad. Qureshi und Hadad sind tatsächlich ein berühmtes Tennisdoppel, und es konnte ihren Ruhm nicht schmälern, dass sie in der zweiten Runde der US Open an den Titelverteidigern Wayne Black und Kevin Ullyett aus Simbabwe gescheitert sind.

Der Israeli Hadad und der Pakistani Qureshi gelten seit Wimbledon als Zweimann-Friedensinitiative. Die Wild Card für die US Open war eine Goodwill-Aktion der Veranstalter. In New York füllten sie tagelang Fernsehsendungen und Zeitungsspalten. Das Doppel wurde von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften zu den Tennisplätzen begleitet. Die Sinne der New Yorker sind geschärft. Der Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center am 11. September naht.

In Israel, da ist sich Hadad indes sicher, haben nur wenige mitbekommen, dass er mit einem Pakistani Tennis spielt. In Qureshis Heimat sorgte die aus politischer und religiöser Sicht ungewöhnliche Gemeinschaft dagegen für viel Wirbel. Nach dem Vorstoß in die dritte Runde in Wimbledon drohte der pakistanische Verband Qureshi zwischenzeitlich sogar mit dem Ausschluss aus dem Daviscup-Team des Landes.

Qureshi und Hadad haben einander zufällig gefunden, beim Training in Wimbledon. An die Tragweite ihres Entschlusses hat damals keiner von beiden gedacht, sagen die beiden jedenfalls, jetzt sind sie quasi Friedensbotschafter aus Versehen. "Ich hoffe, niemand bringt Politik, Religion und Sport durcheinander", betont Qureshi. "Bei uns spielt das keine Rolle, es geht nur um Tennis." Auf die Frage, was sie die Welt lehren wollen, antwortete Qureshi: "Ich lehre sie, wie man den Ball schlägt, das Service, die Rückhand, die Vorhand." (dpa, red, DER STANDARD, Printausgabe 2.9.2002)

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    Amir Hadad aus Israel (rechts) mit Partner Aisam-Ul-Haq Qureshi aus Pakistan in ihrem Match gegen Wayne Black und Kevin Ullyett

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