Powell gegen "Falken" im Weißen Haus

2. September 2002, 12:35
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US-Außenminister stellt sich gegen Vizepräsident Cheney und fordert Rückkehr der UNO-Inspektoren - Irak: "Das führt zu nichts"

Washington/London/Bagdad - US-Außenminister Colin Powell hat sich klar gegen die "Falken" im Weißen Haus in der Politik gegen den Irak gewandt. Der erste Schritt zur Lösung der Krise sollte die Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren in den Irak sein, sagte Powell in einem am Sonntag veröffentlichten BBC-Interview. Damit widersprach Powell unter anderem Vizepräsident Dick Cheney, der vor wenigen Tagen die Rückkehr der Inspektoren in den Irak als sinnlos bezeichnet hatte, und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der von einem US-Alleingang gesprochen hatte.

Powell räumte ein, dass die USA vor einer Entscheidung über Maßnahmen gegen den Irak der Weltöffentlichkeit mehr Informationen zur Verfügung stellen müssten, welche Gefahren von Präsident Saddam Hussein ausgingen. Entsprechende Informationen, auch von den Geheimdiensten, müssten zugänglich gemacht werden. "In der internationalen Gemeinschaft muss es eine Debatte geben, so dass sich jeder ein Urteil bilden kann", sagte Powell in dem Interview, das am 8. September ausgestrahlt werden soll.

Nach Bekanntwerden der Aussagen Powells dementierte das Weiße Haus nach Angaben des US-Fernsehsenders CNN umgehend, dass es innerhalb der Regierung einen Streit um die Politik gegenüber Bagdad gebe. Powell und Cheney seien sich einig, dass es einen Regimewechsel im Irak geben müsse, zitierte der Sender einen Sprecher.

Irak lehnt Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren ab

Der stellvertretende irakische Ministerpräsident Tarek Aziz hat eine Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren in sein Land abgelehnt. "Das läuft nicht, weil es zu nichts führt. Wir glauben nicht, dass (der Leiter der UNO-Inspektoren Hans) Blix und seine Gruppe in einer vernünftigen Zeitspanne zu einem Abschluss kommen, damit die USA und alle Welt wissen, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gibt", sagte Aziz am UNO-Weltgipfel in Johannesburg. Er wies neuerlich alle Vorwürfe als grundlos zurück, wonach der Irak an solchen Waffen arbeite.

Aziz kritisierte die Politik der USA. Vizepräsident Dick Cheney habe für seine Aussage, dass der Irak eine tödliche Bedrohung darstelle, keine Beweise vorgelegt. "Das ist nicht wahr. Wir sind bereit, das zu beweisen", sagte Aziz. (APA/dpa/Reuters)

Die UNO-Inspektoren wurden Ende 1998 abgezogen, weil sie nach eigener Darstellung immer wieder in ihrer Arbeit behindert wurden. Cheney erklärte vor wenigen Tagen, die Rückkehr der Inspektoren sei zweitrangig, den USA gehe es um den Sturz von Saddam Hussein. US-Außenminister Colin Powell widersprach dem am Sonntag und unterstützte Versuche, die Kontrollen wieder aufzunehmen.
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Der Original-Artikel auf bbc.co.uk

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    US-Außenminister Colin Powell bremst Cheney und fordert erneut UNO-Inspektoren für den Irak

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