Magersucht: Auch ein Männerproblem

2. September 2002, 19:57
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Mediziner: Neben einer Persönlichkeitsstörung kann auch das Streben nach einem falschen Schönheitsideal den Teufelskreis auslösen

Aachen - Junge Männer leiden nach Meinung von Ernährungsexperten häufiger unter Magersucht als angenommen. Auf ein entsprechendes Beratungsangebot hätten erstaunlich viele betroffene Männer reagiert, sagte Sven-David Müller, Sprecher der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen. "Beim Mann scheint die Ursache neben einer Persönlichkeitsstörung auch das Streben nach einem falschen Schönheitsideal zu sein", sagte Müller.

"Heute siehst Du aber viel besser aus ..."

Magersucht gilt immer noch als typische Mädchenkrankheit. Aber auch junge Männer könnten auf der Jagd nach dem "Waschbrettbauch" in diesen Teufelskreis geraten. Wenn die ersten Kilos purzelten, komme zunächst die Bestätigung: "Alle sagen: Früher hattest Du ein kleines Bierbäuchlein. Heute siehst Du aber viel besser aus", sagte Müller. Wer dann die Selbstkontrolle verliere, könne sich krank hungern.

Betroffene wiegen bei einer Körpergröße von 1,80 Metern nicht selten 60 Kilogramm. Trotzdem komme niemand auf die Idee, dass die schlaksigen Menschen an Magersucht litten, sagte Müller. "Der ist gerade im Wachstum, der hat schon immer schlecht gegessen oder der ist immer so dünn gewesen", seien häufige Erklärungen.

Hinweise

Dabei gebe es deutliche Hinweise auf Magersucht. Die ständige Beschäftigung mit Figur und Gewicht seien Anzeichen, ebenso die Weigerung, in Gesellschaft zu essen. (APA/dpa)

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    TV-Berichte über Sven Hannawald hatten zu einer großen öffentlichen Debatte darüber geführt, ob der deutsche Skisprung-Star unter Magersucht leidet.

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