Postbus: Irrfahrt geht weiter

1. September 2002, 20:03
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Die ÖBB wird nach dem Postbuskauf zum zweiten Mal zum Monopolisten - Von Luise Ungerboeck

Mit dem Erwerb des Postbusses, Österreichs größter Linienbusgesellschaft, der diese Woche unter Dach und Fach gebracht werden soll, wird die ÖBB zum zweiten Mal zum Monopolisten. Nun droht, was dem Fahrgast auf der Schiene seit Jahrzehnten täglich zugemutet wird, auch im Autobus: schlechtes Service, hohe Preise und ein Angebot, das am Markt vorbeifährt.

Da Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit nie zu den Stärken der Eisenbahner zählten, darf als Träumer gelten, wer glaubt, dass der seinerseits teure, weil vor Überkapazitäten bei Personal und Werkstätten strotzende Postbus nun schneller und billiger wird. Im Gegenteil, dem Postbus, der nach langer Irrfahrt im Defizit auf Sanierungskurs geschickt wurde, wird der kleinere, ebenso unrentable Bahnbus übergestülpt.

Da nicht einmal die Bahn weiß, wie viele Lenker und Mechaniker mit ihren Omnibussen beschäftigt sind, bleibt schleierhaft, wie realistisch die rund 23 Millionen Euro an jährlichen Synergieeffekten sind. Denn um unnötige Werkstätten schließen, verkaufen oder abreißen zu lassen, hätte man den Postbus nicht gebraucht. Die umgekehrte Idee, die Bahnbusse dem Postbus zu verkaufen, wurde nicht einmal geprüft. Zur Abstimmung der Linien zwischen Schiene und Straße hätte es lediglich eine Verordnung des Verkehrsministers gebraucht.

Offenbar ist der Regierung ein Moloch auf Schiene und Straße, der Preise diktiert und den Staatshaushalt belastet, lieber. Daran ändert auch der nun geplante Teilverkauf von 30 Prozent des Bahnpostbusses nichts. Für die Bahn ist's ein Geschäft, denn sie bekommt einen reichen Immobilienschatz nahezu geschenkt. Bezahlen müssen diese teure Rückkehr zum Monopol die Bürger und Steuerzahler. (DER STANDARD, Printausgabe 2.9.2002)

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