Dauerbrenner Tauern, Brenner

1. September 2002, 19:39
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Transit: Lkw-Nachtfahrverbot gefordert - Gemeinden gegen zweite Tunnelröhre

Salzburg - Der Salzburger Landespolitik stehen in der Frage des Transitverkehrs über die Tauernautobahn dramatische Wochen ins Haus: Im Tennengau fordern die Anrainergemeinden ein nächtliches Lkw-Fahrverbot, falls auf der Brennerautobahn das vorgesehene Nachtfahrverbot umgesetzt wird.

Im Lungauer Zederhaus wiederum wird wieder über Blockaden diskutiert. Denn die im Rahmen der Planungen für eine zweite Tunnelröhre durch die Tauern geführten Verhandlungen mit der Österreichischen Autobahnen- und Schnellstraßengesellschaft (ÖSAG) um Lärmschutzmaßnahmen sind gescheitert.

"Salzburg darf nicht die Umfahrung Tirols werden", lautet die Kampfansage des Halleiner VP-Bürgermeisters Christian Stöckl. Er und die Ortschefs weiterer Anrainergemeinden befürchten, dass nach Einführung eines Nachtfahrverbotes auf der Brennerautobahn von Anfang Oktober bis Ende März Salzburg zur Ausweichroute wird.

Dabei gebe es ähnlich wie in Tirol auch an der Tauernautobahn immer wieder Überschreitungen der Grenzwerte. Stöckl will daher ähnliche Regelungen durchsetzen, wie sie im Winterhalbjahr in Tirol geplant sind: "Gleiche Belastungen brauchen gleiche Konsequenzen."

Nicht minder ernst ist die Situation in Zederhaus am Tauerntunnel-Südportal. Nach zwei Jahren sind die Gespräche mit dem Autobahnbetreiber ÖSAG geplatzt. Die als Ausgleich für den Bau einer zweiten Röhre für den Tauerntunnel angebotenen Schutzbauten sind den Bewohnern des engen Gebirgstales zu wenig. Sie verlangen, dass große Teile der Autobahn in ihrem Gemeindegebiet als Tunnel geführt oder eingehaust werden. Während die ÖSAG höchstens 20 Millionen Euro bereitstellen will, würde die Zederhauser Variante bis zu 150 Millionen Euro kosten.

Die Unterstützung für die Anliegen der Lungauer ist breit. Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener nennt das Angebot der ÖSAG schlicht "inakzeptabel". Das Tal sei so eng, dass Lärmschutzwände allein nicht helfen würden. Ähnlich auch die Plattform der Verkehrsinitiativen, die eine zweite Tunnelröhre ablehnen: Ein um zwei Drittel billigerer Rettungsstollen genüge. Die frei werdenden Mittel könnten zum Schutz der Anrainer verwendet werden.

Aber auch die ÖVP fordert mehr Flexibilität von der ÖSAG. Laut VP-Verkehrssprecher Wolfgang Saliger soll Landeshauptmann Franz Schausberger (VP) zwischen Anrainern und Autobahngesellschaft vermitteln. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2002)

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    Es sind nicht in erster Linie die PKW-Schlangen, die die Anrainer von viel befahrenen Autobahnen stören, sie wollen vor allem in der Nacht Ruhe vor den Lkw.

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