Postbus ist lukratives Geschäft für Bahn

1. September 2002, 20:04
3 Postings

Verkehrswert der Postauto-Immobilien übersteigt Kaufpreis bei weitem

Wien - Der aus der Übernahme des Postbusses durch den Kraftwagendienst der ÖBB entstehende "Bahnpostbus" rollt diese Woche in die Zielgerade: Am Mittwoch beschließen die Aufsichtsräte von ÖBB und Postbus den Deal, am Freitag, den 6. September folgt das Kontrollgremium der Verkäuferin ÖIAG.

Dann muss der Zusammenschluss von Österreichs größter und zweitgrößter Linienbusgesellschaft beim Kartellgericht angemeldet werden, wo allerdings kein Widerstand zu erwarten ist. Auch das schwache Halbjahresergebnis, das die 1600 Busse starke gelbe Flotte am 4. September vorlegen wird, sollte die große österreichische Buslösung nicht mehr stoppen.

Für die Eisenbahner, die für den auf Sanierungskurs fahrenden Postbus 116 Millionen Euro auf den Tisch blättern werden, ist der Deal auf jeden Fall ein Geschäft: Zwar erwirtschaftete die Postbus AG im Vorjahr einen Verlust (EGT) von 11,427 Mio. EURO, dem Kaufpreis steht jedoch ein beachtlicher Immobilienbesitz gegenüber. Eine im Zuge der Abspaltung des Postbusses von der gelben Post durchgeführte Bewertung durch die Post & Telekom Immobliengesellschaft (PTI) beziffert allein den Buchwert der Objekte des Postautodienstes per 31. Dezember 1999 mit 1,550 Milliarden Schilling. In Euro umgerechnet kauft die ÖBB demnach Grund und Gebäude im Wert von 112,659 Mio. EURO mit. Diese wurden in der Bilanz 2001 zwar auf 89,013 Mio. EURO abgewertet, zusammen mit der Busflotte, technischen Anlagen und Maschinen machen die Sachanlagen allerdings immer noch 164,264 Mio. EURO aus.

Verwertung

Ein richtig gutes Geschäft wird für die Eisenbahner die Verwertung: Die PTI bezifferte den Verkehrswert der insgesamt 105 Liegenschaften im Jahr 2000 mit umgerechnet 176,17 Mio. EURO, was deutlich über dem Kaufpreis in Höhe von 116 Mio. EURO liegt. Bringt man davon die Wertberichtigung und die Kosten für den künftig durchzuführenden Personalabbau in Abzug, bleibt noch immer ein ansehnliches Vermögen.

Verkauft die Bahn, wie vom Ministerrat vorgesehen, ein Drittel des Postbusses an private Busfirmen, wird der Deal ein lukratives Geschäft für die Bahn. "Hier drängt sich der Verdacht auf, dass die Kaufpreisermittlung unter der Tuchent erfolgt ist", wettert Eva Lichtenberger, die Verkehrssprecherin der Grünen. Auch sei es nicht Aufgabe der Bahn, sich als Immobilienhai und größter "Frächter auf der Straße" zu positionieren. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 2.9.2002)

Kommentar

Irrfahrt geht weiter
Von Luise Ungerboeck

Links

Postbus

ÖBB

Share if you care.