"Mir hat nicht alles gefallen, was da gesagt worden ist"

1. September 2002, 18:12
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Sallmutter geht mit dem SP-Chef hart ins Gericht

Wien - Der Chef der Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA), Hans Sallmutter, fordert von der SPÖ eine "Fokussierung" auf ihre traditionelle Wählerschaft. Die Partei solle nicht irgendwo hinschielen, welche Gruppe man da oder dort dazugewinnen könnte: "Wir sollten uns auf die 3,2 Millionen unselbstständig Erwerbstätigen, ihre Familienangehörigen, Eltern und Großeltern konzentrieren", sagte Sallmutter. Nicht sonderlich beeindruckt ist der GPA-Chef offenbar vom Einfallsreichtum des SP-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer. Gefragt, ob ihm irgendeine Idee des SP-Chefs bisher gut gefallen habe, meint er nach kurzem Nachdenken: "Eine einzelne Idee würde mir jetzt ad hoc nicht einfallen".

Dafür hat Sallmutter an so manchem Vorschlag des SPÖ-Vorsitzenden einiges auszusetzen: "Mir hat nicht alles gefallen, was da gesagt worden ist". So sei er etwa "ein bissel verwundert" über Gusenbauers Idee gewesen, ein Mehrheitswahlrecht einzuführen: "Wir sollten nicht mit dem Gedanken spielen, irgendwo bestimmte Wählergruppen auszugrenzen über ein Mehrheitswahlrecht". Vielmehr gehe es darum, den Menschen zu erklären, warum eine Gruppe Demokratie gefährdend und nicht gut für die Leute sei. Gusenbauers Vorstoß hatte ja den Hintergrund, das Vorrücken rechts-radikaler Parteien in europäische Parlamente über ein Mehrheitswahlrecht zu verhindern.

Wenig begeisterung für die "solidarische Hochleistungsgesellschaft"

Ebenso wenig begeistert war Sallmutter vom Begriff "solidarische Hochleistungsgesellschaft", den Gusenbauer wochenlang gepredigt hatte: "Wie ich das das erste Mal gehört habe, habe ich mir gedacht, was werden sich die vielen Menschen denken, die Opfer dieser Hochleistungsgesellschaft geworden sind. Das sind Zehntausende". Allerdings geht der GPA-Chef davon aus, dass Gusenbauer dies auch nicht so gemeint habe, "wie es dann natürlich auch wahrgenommen worden ist". Daher sei der Begriff jetzt ja auch "wieder weg" und durch Chancen-Gesellschaft ersetzt.

Sallmutter entdeckt bei Gusenbauer aber auch durchaus positive Seiten. Er sei "fest überzeugt", dass der SP-Chef unter seinem Wert gehandelt werde. Es sei "wohltuend, dass er bei all seinen Auftritten in sehr atmosphärischer und unkomplizierter Form auf die Leute zugeht". Auch Menschen, die Gusenbauer ursprünglich kritisch gegenüber eingestellt seien, wären nach einer persönlichen Begegnung "absolut begeistert". Die trotzdem schwachen Image-Werte des SP-Chefs erklärt sich der GPA-Vorsitzende damit, dass es aus der Opposition heraus nicht leicht sei, "da ausreichend öffentlich Beachtung zu finden".

Wiederwahl von ÖGB-Chef Verzetnitsch so gut wie sicher

Bezüglich des nächsten Wahlkampfs plädiert Sallmutter dafür, in einem Team mit Gusenbauer an der Spitze ins Rennen zu gehen. Aus Sicht des GPA-Chefs wäre es absolut sinnvoll, sich in einer Mannschaft zu präsentieren. Denn als Oppositionspartei könne man im Wahlkampf im Gegensatz zu den Koalitionsparteien nicht auf ein Regierungsteam zurückgreifen.

Moderat gibt sich Sallmutter, was Personalia im ÖGB angeht. Der GPA-Vorsitzende geht davon aus, dass Fritz Verzetnitsch im kommenden Jahr für eine weitere Periode zum Präsidenten des Gewerkschaftsbunds gewählt wird: "Ich kenne niemand anderen, den diese Funktion interessieren würde". Auf seine diversen Meinungsverschiedenheiten mit Verzetnitsch angesprochen wiegelt Sallmutter ab. Es sei geläufig, dass man manchmal bei bestimmten Fragen "in kleinen Details" unterschiedliche Ansichten habe. Dies sei aber "nix Schlimmes, sondern gut für die Organisation", wenn sie unterschiedliche Charaktere und Meinungsvielfalt anbieten könne.

Bezüglich der geplanten Fusion der GPA mit Metallern, Chemiearbeitern, Druckern und ANG (Agrar-Nahrung-Genuss) ist Sallmutter optimistisch. Das Projekt laufe "punktgenau". Dass man noch keinen Namen für die geplante Großgewerkschaft hat, stört den GPA-Chef nicht: "Das ist nichts, was mir schlaflose Nächte bereitet". Immerhin habe man mit "die 5 Gs" bereits einen Arbeitstitel gefunden und auch die derzeit noch gültigen Namen der Einzelgewerkschaften hätten ein gutes Image. Auch bekräftigte Sallmutter, dass durch die Reorganisation keine Arbeitsplätze verloren gehen würden. Zwar werde man Parallel-Strukturen zwischen ÖGB und Einzelgewerkschaften aufgeben, die Mitarbeiter würden dann aber in anderen Bereichen unterkommen. (APA)

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    Der Chef der Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA), Hans Sallmutter.

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