Es wächst stärker als der Gewinn ...

1. September 2002, 15:30
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das Vorstandsgehalt - Zumindest den Chefs der im Dax gelisteten Unternehmen geht es außerordentlich gut

München (APA/dpa) - Die Vorstands-Gehälter bei den meisten im DAX vertrenen Unternehmen sind einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als der Gewinn. "Am weitesten klaffte die Schere zwischen Unternehmensentwicklung und Vorstandsbezügen bei der Commerzbank und DaimlerChrysler auseinander", sagte der Chef der Personalberatung "Interconsilium", Hubert Johannsmann, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München. "In vielen Unternehmen scheint die Gier größer zu sein als die Vernunft."

Für die Studie hatte die Personalberatung die Entwicklung der Vorstandseinkommen zwischen den Jahren 1997 und 2001 in Relation zur Entwicklung wichtiger Kennzahlen wie Umsatz und Gewinn gesetzt. "Im Kern stand die Frage: Verdienen deutsche Vorstände was sie verdienen?"

Überproportional

Bei Commerzbank und DaimlerChrysler sei der Ertrag zwischen 1997 und 2001 massiv eingebrochen, sagte Johannsmann. Dennoch sei das durchschnittliche Einkommen der Commerzbank-Vorstände in dieser Zeit von 0,82 Mill. Euro auf den - für DAX-Unternehmen noch immer niedrigen Wert - von 1,3 Mill. Euro gestiegen. Bei DaimlerChrysler habe jedes Vorstandsmitglied im Schnitt 2001 sogar knapp doppelt soviel verdient wie 1997. Auch bei der Deutschen Bank seien die Vorstandsbezüge in den vergangenen fünf Jahren überproportional in die Höhe geschnellt.

Die Diskussion um die Bezahlung des ehemaligen Telekom-Chefs Ron Sommer habe gezeigt, dass die Aktionäre derartige Entwicklungen nicht ohne weiteres hinnehmen, sagte der Berater. "Gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten achten Aktionäre und Mitarbeiter streng darauf, dass Vorstandseinkommen in Relation zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens stehen."

"Bescheidene"

Bei Henkel, Metro, RWE und Schering habe sich das Einkommen der Führungskräfte in den Jahren 1997 bis 2001 mehr oder weniger parallel zu wichtigen Unternehmenskennzahlen nach oben entwickelt. Für die Vorstände von BMW, der Deutschen Post, SAP und Volkswagen hat sich die Entwicklung der Unternehmen nach Ansicht von Johannsmann nicht in vollem Umfang in der eigenen Geldbörse ausgezahlt. Zwar verdienten die Manager besser als 1997, dieser Anstieg falle aber geringer aus als der der Unternehmenskennzahlen. "Dort spiegelt sich die positive Unternehmensentwicklung nur unterproportional im Einkommen der Vorstände wider." Zur Gruppe der "Bescheidenen" zählt der Personalberater auch Adidas-Salomon und BASF, bei denen die Vorstandseinkommen trotz guter Geschäftsentwicklung zurück gegangen seien.

Für die Studie hat die Personalberatung anhand der Geschäftsberichte der im Aktienindex DAX notierten Konzerne das durchschnittliche Einkommen pro Vorstand in den Jahren 1997 und 2001 ermittelt. Diese Entwicklung verglich sie mit einem Index, der sich aus dem Vorsteuerergebnis, dem Aktienkurs, der Umsatzentwicklung und der Zahl der Mitarbeiter zusammensetzt. Sondereffekte gingen allerdings nur teilweise in die Berechnung ein. Die Analyse gebe daher vor allem Trends an, sagte Johannsmann. (APA)

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